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Kein Mann muss Haare lassen

- Den Traum vom vollen Haupthaar haben viele Glatzenträger zu früh aufgegeben. Laut Professor Dr. med. Hans Wolff von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) wissen viele nicht, dass mit den richtigen Medikamenten der Haarausfall gestoppt werden kann.

Warum haben wir Haare?

Professor Hans Wolff: Sie sind ein Restzustand von Fell. Dichte Haare dienten ursprünglich als Schutz vor Kälte, Parasiten und Zecken. Auch heute noch dienen Haare am Kopf als guter Schutz vor Sonne. So sehen wir Hautkarzinome am Kopf fast nur bei Glatzenträgern. Außerdem sind Haare eine Art sexueller Signalgeber. In der Steinzeit galt wohl: Glatzköpfe und Grauhaarige sind schon älter, und damit nicht so ideal als Fortpflanzungspartner.

Gibt es heute mehr Menschen, die unter Haarausfall leiden?

Wolff: Nein, es wird nur mehr thematisiert, weil das Körperbewusstsein gestiegen ist und Männer eitler geworden sind. Glatzköpfe waren zwar auch mal kurzzeitig Mode, aber schöne Haare sind immer gefragter. Im Grunde stört es jeden, wenn auf seinem Kopf kahle Stellen sind.

Wie viele Menschen haben Haarausfall?

Wolff: Jede zehnte Frau ist vor den Wechseljahren davon betroffen, jede fünfte später. Rund die Hälfte aller Männer wird im Laufe ihres Lebens unter Haarausfall leiden.

Was sind die Gründe?

Wolff: Zuerst muss man zwischen dem täglichen Haarwechsel, bei dem man im Durchschnitt 60 bis 100 Haare verliert, und einer Alopezie, einer sichtbaren Haarlichtung, unterscheiden. Häufigste Ursache ist der erbliche Haarausfall. Der Verlust von Haaren kann aber auch krankheitsbedingt sein. Am bekanntesten ist der kreisrunde Haarausfall.

Müssen sich die Betroffenen ihrem Schicksal ergeben?

Wolff: Nein, seit fünf Jahren gibt es Mittel, mit denen jeder seinen Haarausfall stoppen kann. Für Männer sind das Tabletten mit dem Wirkstoff Finasterid. Für Frauen und Männer gut wirksam ist der Wirkstoff Minoxidil.

Warum haben trotzdem so viele eine Glatze?

Wolff: Weil viele Männer nicht wissen, dass man mit den oben genannten Mitteln diese wirklich verhindern kann, sogar verlorene Haare wieder wachsen lassen kann. Das wichtigste ist, dass der Betroffene so schnell wie möglich mit einer Therapie anfängt. Auch ärgere ich mich über die Vielzahl von unwirksamen Mitteln, die angeboten werden. Mit Shampoos kann der Haarausfall nicht gestoppt werden.

Die Betroffenen warten einfach zu lange?

Wolff: Das trifft auf die Männer zu, bei Frauen ist der Leidensdruck meist höher. Sie reagieren schnell, der Haarausfall kann gestoppt werden. In meiner täglichen Haarsprechstunde sind durchschnittlich 30 Patienten - und das sind überwiegend Frauen.

Das Gespräch führte Tanja Moung

Am Dienstag, 4. April, von 14 bis 16 Uhr beantworten am Merkur-Telefon Experten Fragen zum Thema Haare.

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