Keine Hungerlöhne für Hiwis

- Studentenjobs sind heiß begehrt, schwer zu ergattern und schlecht bezahlt. Viele Studenten sehen die Arbeit an ihrem Institut als Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere. Doch das Arbeitsverhältnis der sogenannten Hiwis hat seine Tücken: Hilfskräfte sind abhängig von ihrem Professor, nicht selten muss wegen Krankheit ausgefallene Arbeitszeit nachgeholt werden und Verträge haben nur eine kurze Laufzeit.

Der Bielefelder Germanistikstudent Christian Osinga will nun mit der studentischen Initiative "tarifini" diese Arbeitsbedingungen verbessern.

Wie sieht die Situation der Hiwis in Deutschland aus?

Osinga: Hilfskräfte befinden sich oft in einem doppelten Abhängigkeitsverhältnis. Wenn sie an dem Institut angestellt sind, wo sie auch studieren, dann ist ihr Professor auch ihr Arbeitgeber. Das bringt sie in die missliche Lage, ihre Arbeitnehmer-Rechte schwer einklagen zu können, da sie von ihrem Arbeitgeber auch noch geprüft werden. Was die finanzielle Seite angeht, so ist die Bezahlung der Studenten eigentlich tariflich geregelt, trotzdem unterscheidet sich die Entlohnung von Bundesland zu Bundesland ganz gewaltig.

Wie groß ist die Spanne bei den Gehältern?

Osinga: Leuchtendes Beispiel ist das Bundesland Berlin. Dort zahlen die Hochschulen ihren Hilfskräften 10,98 Euro. Am schlechtesten dagegen zahlt die Fachhochschule Weihenstephan. Sie entlohnt ihre Studenten, die den ZIP-Pool betreuen, mit 3,07 Euro. Mich ärgert die Willkür bei der Bezahlung, vor allem aber die schlecht bezahlten Jobs, die häufig im Süden Deutschlands zu finden sind.

Was ärgert Sie noch außer schlecht bezahlte Jobs?

Osinga: Oft kennen die Professoren nicht einmal die rechtlichen Grundlagen ihrer Arbeitsverträge. Dort steht zum Beispiel, dass im Krankheitsfall Anspruch auf eine Lohnfortzahlung besteht. Oft bekommen die Studenten aber zu hören, dass sie Fehlzeiten nacharbeiten müssen, was definitiv unrechtmäßig ist.

Wie lange sind die Arbeitsverträge von Hiwis in der Regel?

Osinga: Leider werden Hiwi-Verträge meist nur für kurze Zeit abgeschlossen. Die Studierenden können also überhaupt nicht kalkulieren, wie es nach Auslaufen des Vertrages weitergehen soll. Oft heißt es dann lapidar, dass man einfach wiederkommen soll und man mit der Bezahlung schon einen Weg finden werde. Vorbild für die Entlohnung ist auch hier das Bundesland Berlin. Dort werden Verträge mit Laufzeiten von zwei Jahren abgeschlossen und nicht selten 40 Stunden pro Monat Arbeitszeit festgeschrieben. Damit kann man als Student vorausplanen.

Was fordern Sie?

Osinga: Unsere Initiative umfasst jetzt rund 60 Mitglieder bundesweit. Wir wollen erreichen, dass gute Arbeit auch anständig bezahlt wird. Zudem kämpfen wir für längere Laufzeiten der Arbeitsverträge. Das gibt den Studenten ein Gefühl der Sicherheit während ihrer Ausbildung. Viele von uns müssen von dem Geld schließlich leben. Wenn man sich ständig einen neuen Job suchen muss, geht das letztendlich auf Kosten der Leistungen während des Studiums.

Das Interview führte Thorsten Naeser.

Weitere Informationen: www.tarifini.de

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