Keine Zeit für gerechte Eignungstests

- Das Verfahren, mit dem einige Fakultäten der Technischen Universität (TU) ihre Studenten aussieben, führt in der Praxis offenbar zu Ungerechtigkeiten. Professoren der Fakultät für Maschinenbau umgehen anscheinend zeitaufwändige Vorstellungsgespräche, indem sie Bewerbungsschreiben extrem gut oder schlecht bewerten. Dennoch zeigt sich die Verwaltung mit der Methode zufrieden. Kritik wird indes hinter vorgehaltener Hand geäußert.

Zwei Ausrufezeichen setzt "Kalle" hinter seinen Trost im Internet-Forum der Fachschaft Maschinenwesen: "Keinsfalls einer Absage, bzw. der Note 4-5 würdig" sei das Anschreiben des Users aus Starnberg, den die TU als Student abgelehnt hat. Der Bewerber versteht nach einem "glatten Fünfer" für die Begründung seines Studienwunsches die Welt nicht mehr. Bei einem Abischnitt von 2,5 hatte er fest damit gerechnet, an der TU Maschinenbau studieren zu dürfen. "Sehr seltsam", wundert sich auch der Teilnehmer "Rob Blake".

Seltsam, aber nicht unerklärlich: In der Praxis führt das zum vergangenen Wintersemester an der Fakultät eingeführte Eignungsfeststellungsverfahren öfter zu verblüffend schlechten Zensuren. Oder zu überraschenden Einsern.

Professoren benoten extrem gut oder schlecht

Wer das Fach studieren will, muss außer dem Abiturzeugnis schriftlich darlegen, warum er Maschinenwesen studieren will. Die Auswahl in der ersten Stufe: Die Abiturnote wird mal sechs gerechnet. Eine zweite Note, deren Grundlage unter anderem das Motivationsschreiben ist, zählt vierfach. Beide Werte werden zusammengezählt: Bewerber mit bis zu 23 Punkten gelten als geeignet, solche mit mehr als 32,1 Punkten nicht. Diejenigen, die dazwischen liegen, lädt die TU zum Gespräch ein.

"Wir spüren auch dem inneren Drang nach, weltverbessernd tätig zu sein - den soll ein Ingenieur ja haben", sagt Heiner Bubb, Professor für Ergonomie und Studiendekan. Das Filterverfahren bedeutet aber auch einen immensen Arbeitsaufwand. "Rund 2100 Bewerber mussten dieses Mal durchgeschleust werden", berichtet Bubb. 1500 potenziellen Studienanfängern wurde ihre Eignung bestätigt - 450 davon nach einem Gespräch.

Die formalen Aspekte bearbeite das Studienbüro. Die Bewertung der Begründungen obliegt dann den Lehrstühlen. "Die Professoren bekommen dicke Stapel auf den Tisch", erklärt Bubb. Urteilen sollen sie nach festen Kriterien: Form, logischer Aufbau, nachvollziehbare Begründung der Studienwahl. "Diese Kriterien kann man mit verschiedener Brille betrachten", so Bubb.

Das scheint milde formuliert angesichts der Praxis, die Lehrstuhl-Mitarbeiter schildern. Zwar gebe es Bewerber, die lediglich fünf Zeilen aufs Papier rotzen, und andere, die mit eigenen Patenten wuchern können. "Aber die meisten schreiben, dass sie sich als Kinder für Fischer-Technik begeisterten", sagt ein Doktorand. "Was 19-Jährigen einfällt, ist so unterschiedlich nicht." Die Lehrstühle aber könnten mühelos die zeitraubenden Gespräche vermeiden: indem sie so benoten, dass sofort eine Zu- oder Absage herauskommt.

"Wir sehen in verschiedenen Punkten Änderungsbedarf", teilt Stefan Litter von der Fachschaftsleitung mit. Andere Studenten gehen weiter: Sie fordern ein Auswahlverfahren wie etwa an der Fakultät für Elektrotechnik. Dort darf jeder das Studium beginnen. Ausgesiebt wird während der ersten Semester. Abgelehnte Bewerber für Maschinenbau beklagen sich bei der Fachschaft vor allem über fehlende Transparenz - und schütteln im Internet virtuell ihre Köpfe.

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