Keiner kennt SARS wirklich

- München - Nervöses Warten im Krankenhaus München-Schwabing, wo zwei Männer (72 und 62 Jahre alt) mit den typischen Symptomen der Lungenkrankheit SARS auf der Isolierstation liegen. Der Zustand der Patienten ist stabil, doch die Ärzte warten auf das Analyse-Ergebnis der Blut- und Speichelproben, die ans Bernhard-Nocht-Tropeninstitut nach Hamburg geschickt worden sind. Von dort werden am Donnerstag die Ergebnisse erwartet.

<P>Bei einem 72-jährigen Deutschen aus Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) ist dagegen bereits sicher, dass er tatsächlich an SARS leidet. Der Mann war vor zwei Wochen von einer Asien-Reise zurückgekehrt, er hatte dort Hanoi und Singapur besucht. Wenige Tage später klagte er über hohes Fieber und starken Husten und wurde in die Lungenfachklinik im sauerländischen Hemer gebracht. </P><P>Die Hamburger Tropenmediziner haben jetzt bei dem Mann - wie zuvor schon bei der Familie, die aus Singapur stammt und im Universitätsklinikum Frankfurt betreut wird - das als SARS-Auslöser geltende Coronavirus nachgewiesen. <BR><BR>Die Eigenschaften des zuerst in Asien aufgetauchten Erregers sind aber noch nicht geklärt und damit auch nicht die Frage, wie er sich nun tatsächlich überträgt. Reisende nach Südostasien sollten auf jeden Fall Menschenansammlungen meiden und in Verkehrsmitteln einen Mundschutz tragen, empfehlen die Hamburger Tropenmediziner, die aber keine Epidemie-Gefahr für Deutschland sehen. Der Frankfurter Virologe Prof. Hans Wilhelm Doerr plädiert dagegen für eine Reisewarnung für die betroffenen Länder Asiens. Hygiene sei im übrigen sehr wichtig. Denn das Virus sei auch im Stuhl nachgewiesen worden. SARS sei aber viel weniger infektiös als die Virusgrippe, betont auch er.<BR><BR>"Die Krankheit ist zu uns herübergeschwappt, wir wissen noch nichts sicher und kennen vor allem ihre Ausmaße nicht, sie könnte durchaus zunehmen", meint der Leiter der Schwabinger Abteilung Infektiologie, Prof. Christoph Nerl vorsichtig. "Möglicherweise ist eine Ansteckung eine Frage der Dosis, also der Menge von Erregern, die man aufnimmt." <BR><BR>35 Euro kostet es jedes Mal, wenn Ärzte oder Schwestern ihre Wegwerf-Schutzkleidung ausziehen und entsorgen. Eduard Höcherl, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, macht sich denn auch so seine Gedanken. "Noch ist die Bezahlung der Behandlung dieser Kranken nicht gesichert, die pro Tag etwa das Doppelte der Intensivversorgung eines Brandverletzten kostet", sagt er, "wir stehen deshalb jedoch mit der Stadt in Verhandlung." Am Ende, davon ist er überzeugt, wird dem Münchner Kämmerer gar nichts übrig bleiben, als das Stadtsäckel zu öffnen. "Nach dem Infektionsschutzgesetz ist die Kommune verpflichtet, die Kosten zu übernehmen und nicht die Krankenkasse", hat Höcherl recherchieren lassen.<BR><BR>Auch wenn die Ansteckungsgefahr in Deutschland äußerst gering ist, für eventuell ansteigende Erkrankungszahlen ist Schwabing gerüstet, wie der Klinikchef betont: "Wir könnten bis zu 50 Patienten aufnehmen." Der Infektiologe Wolfgang Guggemoos, der die beiden Patienten betreut, weist aber auch darauf hin, dass es hier nicht um eine hoch ansteckende Krankheit wie das Lassafieber oder Pocken gehe. </P><P>Deshalb trüge das Personal keine "Raumanzüge", wie sie sonst üblich sind. "Wir sind hier bei SARS eine Sicherheitsstufe darunter." Dies bedeute, dass sich in Deutschland "im Prinzip jedes Krankenhaus" umrüsten lasse, es brauche neben einer isolierten Abteilung mit Beatmungsmöglichkeit vor allem Klebeband, Kartons, Gesichtsmasken und Schutzanzüge. Die Behandlung besteht meist aus einem speziellen Antibiotika-Cocktail (damit sich keine anderen Infektionen einschleichen), Kreislauf- und Hustenmedikamenten.<BR><BR>Robert-Koch-Institut Berlin<BR>(Hotline 0 18 88/754-35 36)<BR>Im Internet: www.rki.de</P>

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