Keuchhusten: Krank trotz Impfung

- Noch vor der Einschulung sollten Eltern den Keuchhusten-Impfschutz ihrer Kinder auffrischen lassen. Das empfiehlt neuerdings das Robert-Koch-Institut (RKI). Denn die Zahl der Fünf- bis 15-Jährigen mit Pertussis (Keuchhusten) steigt.

Neben nicht Geimpften erkranken auffällig viele Schulkinder, deren letzte Keuchhusten-Impfung länger als fünf Jahre zurückliegt. "In Schulklassen kommt es immer wieder zu kleinen Epidemien", bestätigt Heinz Reiniger, Sprecher der bayerischen Kinderärzte.

Deshalb rät die Ständige Impfkommission am Berliner RKI nun, die bisherige Diphterie- und Tetanus-Auffrischimpfung vor der Einschulung mit einer Keuchhusten-Komponente zu ergänzen. Das Kind muss dabei nur einen Pieks aushalten: Moderne Kombinationsimpfstoffe immunisieren gleichzeitig gegen alle drei Krankheiten. Bisher war nach den Pertussis-Impfungen im Säuglingsalter eine Auffrischung erst für Neun- bis 17-Jährige vorgesehen.

Unter allen Kinderärzten hat sich die neue Empfehlung des RKI indes noch nicht herumgesprochen. Gerade "auf dem Land" wüssten einige Kollegen noch nicht darüber Bescheid, räumt Reiniger ein.

Eltern und Paare mit Kinderwunsch stehen indes noch vor einem anderen Problem: Auch ihnen wird zum Schutz des Nachwuchses eine Keuchhusten-Impfung empfohlen. Doch den einzigen Impfstoff nur gegen Pertussis hat der Hersteller vergangenes Jahr vom Markt genommen - es bleibt nur das erwähnte Kombi-Präparat, das auch gegen Tetanus impft.

Zwischen zwei Impfungen gegen Wundstarrkrampf sollten allerdings mindestens fünf Jahre liegen. Ansonsten kann es zu verstärkten Impfreaktionen kommen. Uneins sind sich Experten nun darüber, wie etwa eine werdende Mutter zu behandeln ist, die sich gegen Keuchhusten impfen lassen will und wegen einer Verletzung erst zwei Jahre zuvor eine Tetanus-Spritze erhalten hat.

Heinz Reiniger rät in diesem Fall von einer erneuten Impfung ab. "Eltern, die gerade erst eine Tetanus-Impfung hinter sich haben, sollten lieber das geringe Risiko in Kauf nehmen, ihr Kind mit Keuchhusten anzustecken."

Kombi-Präparat zur Impfung bringt Probleme

Wiebke Hellenbrand vom RKI sieht dagegen kein erhöhtes Risiko darin, mit der Keuchhustenimpfung auch nach weniger als fünf Jahren den Tetanusschutz aufzufrischen. Schlimmere Folgen als Hautrötungen und Schwellungen habe dies kaum.

Allerdings bleibt eine rechtliche Unsicherheit: Damit der Arzt eine solche, vom Hersteller nicht vorgesehene "Off-Label"-Behandlung durchführen könne, müsse der Patient auf Schadenersatzansprüche im voraus verzichten.

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