Kicken ohne Kommerz

- "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!" Schon nach dem ersten Sieg der deutschen Nationalmannschaft liegen euphorische Sprechchöre in der von Bierdunst und Zigarettenqualm erfüllten Luft der "Global Player Arena" im Olympiadorf. 1500 Liter Bier fließen allein am ersten Abend der WM die Kehlen hinunter - das Oly-Dorf im Fußballwahn.

Toni Armann und Christopher Mohr grinsen zufrieden. Die beiden Sportstudenten feiern mit den rund 1600 Dorfbewohnern ihre ganz eigene WM. "Unkommerziell" sei ihr Programm: nicht auf Gewinn ausgerichtet und ohne Sponsoren. Und natürlich international. "In München gibt es Studenten aus mehr als 70 Ländern", sagt Gerd Keglmaier vom Zentralen Hochschulsport, der das "WM-Event" mitorganisiert hat. "Denen wollten wir etwas bieten, weil das sonstige WM-Programm gar nicht auf Studenten ausgerichtet ist."

Filme mit Brad Pitt für Fußball-Muffel

Ihren eigenen Weltmeister haben die Studenten am Wochenende in einer "Mini-WM" schon ermittelt. Portugal siegte im Finale mit 2:1 über Griechenland. Dabei waren Mannschaften, die bei der "großen WM" fehlen: die Mongolei zum Beispiel, oder auch Peru und Marokko.

In den Wochen bis zum Finale wollen Mohr und Armann täglich Programm bieten. Im Mittelpunkt steht natürlich das gemeinsame Fußball-Schauen. Neben der "Global Player Arena" - dem eigentlich wenig schmucken Vorraum der Oly-Disco - stehen auch in der dorfeigenen "Bierstube" und im Café´ "CO2" Großbild-Leinwände.

Nebenbei verkauft die Mannschaft um Armann und Mohr Flaggen der teilnehmenden Länder und organisiert eine Tauschbörse für Sammelbildchen. Im aufblasbaren "Human Kicker" kann jeder Student sich als lebendige Tischfußball-Figur erproben, bevor er sich später in der "Bierstube" holländischen Nudelauflauf oder mexikanisches Chili schmecken lässt.

Auch wenn Armann und Mohr "viele fleißige Helfer" haben, jeder der beiden hat seit Oktober geschätzt etwa 400 Stunden in die Vorbereitung des Programms gesteckt. Gar nicht leicht sei es da, auch in der Uni immer am Ball zu bleiben, meinen die beiden Sportstudenten. "Ich muss nach der WM ein paar Klausuren nachschreiben", sagt Christopher Mohr. Doch die zwei sind sich einig: "Eine solche Erfahrung wie die WM-Organisation macht man nie mehr."

Sogar an Dorfbewohner, die keine Fußballanhänger sind, haben Armann und Mohr gedacht. Heute und an den beiden kommenden Dienstagen finden im Café "CO2" Anti-Fußball-Filmabende statt - "vor allem für die Frauen", wie Toni Armann sagt: "Da zeigen wir dann zum Beispiel Filme mit Brad Pitt."

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