Ob Kind oder Senior: Bewegung ist (fast) alles

- Berlin - "Wir müssen dem Menschen die Mobilität erhalten und zwar bis ins hohe Alter, so können wir am besten vorbeugen gegen Gelenkerkrankungen, Arthrosen, Wirbelsäulenleiden oder Osteoporose. Wir brauchen eine bessere Prävention, und Sie müssen uns bei der Aufklärung der Bevölkerung helfen", appelliert Prof. Wolfhart Puhl (Ulm) an die Journalisten, die zum Eröffnungstag des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie nach Berlin gekommen sind.

<P>Schmerzen, Funktionsverlust und eingeschränkte Bewegungsfähigkeit sind nur ein Teil der Folgen, die durch Krankheiten des Bewegungssystems ausgelöst werden. Speziell an die Adresse uneinsichtiger Gesundheitspolitiker gerichtet, weisen Puhl und andere führende Orthopäden darauf hin, dass neben den Milliardenkosten für Krankheitsversorgung und Rehabilitation auch noch Folgeerkrankungen zu berücksichtigen sind, die wiederum Milliarden verschlingen. </P><P>Diese Prävention müsse bereits im Kindergarten beginnen, wo die Kleinen spielerisch an sportliche Aktivität gewöhnt werden und ihre Eltern über die Gesundheitschancen informiert werden müssten. Erste Pilotprojekte seien sehr erfolgreich, so Puhl.<BR><BR>Schulungsprogramme für gesundheitsbewussten Sport und Übungen für den Rücken werden auch zunehmend für Berufstätige und für Senioren von den Krankenkassen angeboten und von den Orthopäden wärmstens empfohlen. Es rechnet sich auch nicht, wenn man etwa - bar jeden Mitgfühls - am alten Menschen mit medizinischen oder rehabilitativen Maßnahmen spart. Wenn sich der Mensch im Alter nicht mehr bewegen kann, wird er nicht nur seiner Unabhängigkeit beraubt, er ist auch besonders gefährdet durch Herzkreislaufschäden und andere Folgeerkrankungen, warnen die Mediziner.<BR><BR>Die Orthopäden, und mit ihnen die deutschen Unfallchirurgen, die ihren Kongress schon zwei Tage früher begonnen hatten, fordern darum auch, dass jedem alten Menschen, dem ein künstliches Gelenk wieder zur mehr Beweglichkeit verhelfen kann, eines eingesetzt werden muss. Heftig kritisiert wurden bisher geäußerte Meinungen, wonach alten Menschen bestimmte medizinische Leistungen vorenthalten werden sollten, um Kosten zu sparen.<BR><BR>Scharf ins Gericht gingen die Ärzte etwa mit dem CDU-Nachwuchspolitiker Philipp Mißfelder, der Anfang August öffentlich erklärt hatte, er sei gegen künstliche Hüftgelenke für 85-Jährige auf Kosten der Solidargemeinschaft. "Wenn wir Patienten, die an einem Hüftbruch oder einem so starken Verschleiß des Hüftgelenks leiden, dass sie gehunfähig sind, einfach ins Bett legen, dann kann das bald ihren Tod bedeuten. Es wäre inhuman und unethisch", betonte Prof. Lothar Kinzl vom Universitätsklinikum Ulm. "Es besteht für uns Ärzte eine absolute Verpflichtung, operativ einzugreifen, wenn es möglich ist, sie darf auch nicht an unternehmerischen Zwängen, denen Krankenhäuser heute unterliegen, scheitern."<BR><BR>Jährlich erleiden von 100 000 Menschen in Deutschland 90 einen instabilen Schenkelhalsbruch</P><P>Auch Prof. Raimund Forst von der Universität Erlangen regt sich über die Unfähigkeit mancher Politiker oder Verwaltungsmenschen auf, weiterzudenken: "Es ist ein Anachronismus, darüber nachzudenken, ob man alten Menschen ab einem bestimmten Alter eine Endoprothese zum Ersatz des Hüftgelenks geben soll oder nicht, denn sie bedeutet frühzeitigen Wiedergewinn der Beweglichkeit und damit Sicherheit und Unabhängigkeit."<BR><BR>Von 100 000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich 90 einen instabilen Schenkelhalsbruch, also einen hüftnahen verschobenen Bruch, die typische Verletzung älterer Menschen.<BR></P>

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