“Fake News“ auf dem Vormarsch

Erschreckend: Das halten US-Jugendliche für Nachrichten

Washington - Immer mehr junge Menschen beziehen ihre Nachrichten aus sozialen Medien, doch dort wimmelt es vor Falschmeldungen. Diese zu erkennen fällt vielen enorm schwer.

In den USA haben Forscher 8000 Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren befragt, um etwas über ihre Medienkompetenz zu erfahren. Das Ergebnis, welches nun vorab im Wall Street Magazin veröffentlicht wurde, ist erschreckend.

Bilder und Details wichtiger als Quellenangaben

Demnach sei es für die große Mehrheit der Befragten nicht möglich, fundierte Nachrichtentexte von beispielsweise Werbeanzeigen zu unterscheiden. So bewerteten die Kinder die Glaubwürdigkeit eines Tweets zum Beispiel eher anhand der Anzahl der enthaltenen Details und der Tatsache, ob ein Foto gezeigt werde. Quellenangaben hingegen spielten eine untergeordnete Rolle.

Den Jugendlichen wurden mehrere Tweets zu einer bestimmten Nachricht gezeigt. Sie sollten bewerten, welcher der Tweets ihrer Meinung nach den Vorfall am glaubwürdigsten wiedergibt. Kaum ein Schüler wählte den Tweet des freien Radiosenders NPR, der zusätzlich Quellen und weiterführende Links anbot. Über die Hälfte der Jugendlichen wählte dafür den Tweet der politischen Moderatorin Lisa Bloom, weil sie in den USA eine bekannte TV-Persönlichkeit ist und mit politischem Fachwissen in Verbindung gebracht wird. 

Mehr als zwei Drittel der 10- bis 14-Jährigen konnte nicht begründen, warum ihnen ein mit Quellenangaben belegter Bericht dennoch unglaubwürdig erschien. Zudem gaben 40 Prozent aller Befragten an, lieber einen Kommentar als einen Nachrichtentext zu lesen, um sich Informationen zu beschaffen. Erklären konnten sie auch dieses Verhalten nicht. Bei den 14- bis 18-Jährigen reichte für mehr als 50 Prozent der Befragten alleine das Bild einer perforierten Blume, um die toxischen Verhältnisse in der Nähe des AKW Fukushima zu beweisen. Wann und wo das Foto wirklich entstanden war, war für die Jugendlichen dabei ohne Belang. 

Forderung nach mehr Aufklärung im Medienbereich

Da vor allem die sozialen Netzwerke die Medienkompetenz und den Nachrichtenkonsum junger Menschen immer mehr beeinflussen, plädiert der Studienverantwortliche Sam Wineburg nun für die Unterrichtung grundsätzlicher Medienkompetenzen an Schulen. Aber auch Eltern seien in der Verantwortung, ihren Kindern zu erklären, warum die ersten Google-Ergebnisse nicht immer die besten sein müssen.

Die Soziologin Zeynep Tufekci wies erst kürzlich darauf hin, dass lediglich 10% ihrer Studenten wisse, dass Facebooks Algorithmen darüber entscheiden, welche Nachrichten ihnen im Newsfeed angezeigt werden. Somit steht fest, dass fehlende Medienkompetenz sich auch im Erwachsenenalter zum Problem werden kann, wenn sie nicht vorher gelehrt wird.

kah

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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