Kinder - von der Pille zur Babyklappe

- München - Vor zweihundert Jahren wurden Frauen bestraft, wenn sie eine Schwangerschaft verheimlichten. Noch vor 50 Jahren mussten unverheiratete Frauen aufs Land gehen, damit sie dort "ihre Schande", das uneheliche Kind, quasi heimlich zur Welt brachten. Heute haben junge Frauen bis zum 20. Lebensjahr einen gesetzlichen Anspruch auf "empfängnisverhütende Mittel", sprich die Pille.

<P>Schulbesuch, Lehrzeit, "strenge" Eltern, Überforderungsangst, es gibt noch mehr Gründe, warum junge Frauen die Pille nehmen. Doch ist der Wunsch nach einem Kind die natürlichere Regung als die Verhütung.<BR><BR>Allerdings kann sich ergeben, dass es mit der Zeugung nicht klappt. Die Medizin hat schon lange herausgefunden, dass oft nicht die Frau, sondern aus verschiedenen Gründen der Mann hieran "Schuld" hat. Für die Frau bieten sich in erster Linie hormonelle Anregungen und eine "in vitro fertilisation" an. Der Arzt entnimmt in den Empfängnistagen bei der Frau Eier und bringt sie im Reagenzglas mit dem Samen des Mannes zusammen. Der Samen kann, wenn der Mann zu wenige Spermien hat, auch direkt ins Ei gespritzt werden. Medizinisch wird dies "intracytoplasmatische Spermieninjektion" genannt.<BR><BR>Gelingt so die Befruchtung, wird das Ei der Frau in die Gebärmutter eingepflanzt, die Schwangerschaft beginnt. Bei allen Arten der so genannten künstlichen Befruchtung kann das befruchtete Ei darauf untersucht werden, ob der Embryo gesund ist. Diese Diagnostik vor der Einpflanzung des Eis, die Präimplantationsdiagnostik (PID), ist heftig umstritten. Sie will verhindern, dass ein erbkrankes Ei eingepflanzt wird und die Frau sich dann vor die Frage gestellt sieht, ob sie abtreiben will.<BR><BR>Die PID kann aber auch zur Selektion missbraucht werden, wenn der Embryo zum Beispiel ein Mädchen statt des gewünschten Jungen ist. Steht die Geburt bevor, verursacht das erwartete Kind der Frau möglicherweise die gleichen Probleme wie schon vor Jahrzehnten auch.<BR><BR>Der Erzeuger ist über alle Berge. Die Ausbildung, das Studium gehen vor. Und überhaupt. Wie soll ich alles finanzieren? Solche Sorgen können die Frau veranlassen, das Kind anonym zu gebären. Es gibt Kliniken - im Norden Deutschlands möglicherweise häufiger als im Süden - die sich etwas außerhalb der Legalität darauf einlassen.<BR><BR>Der Arzt, die Hebamme verschweigen gegenüber dem Standesamt den Namen der Mutter. Das Kind bekommt einen Fantasienamen. Die Mutter gibt das Kind sofort zur Adoption frei. Adoptiveltern stehen meist bereit, das Baby als ihr Kind anzunehmen. Will die Mutter das Risiko vermeiden, doch nicht anonym zu bleiben, kann sie das Kind in eine Babyklappe legen. Nonnenklöster und meist ein Krankenhaus in der Stadt haben solch eine Klappe eingerichtet. Die Mutter kann sicher sein, dass das von ihr dort abgelegte Kind alsbald entdeckt und versorgt wird. Anonym Geborene und Kinder aus Babyklappen müssen mit dem Tatbestand leben, dass sie nur selten über ihre Abstammung wissen.</P><P>VON PETER LINDEMANN *)<BR><BR>*) Dr. Peter Lindemann ist Präsident a.D. des Landessozialgerichts in Celle.<BR></P><P> </P>

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