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Kinder am Computer oder an der S pielkonsole? Laut einer neue Studie entscheidet vor allem die soziale Herkunft über die Mediennutzung.

Kinder spielen oder lernen am Bildschirm - je nach sozialer Herkunft

Frankfurt/Main - Spielen Ihre Kinder meist an der Spielkonsole oder sitzen sie lieber am Computer und lernen dort sogar? Nach einer neuen Studie lässt das eine oder andere tiefgreifende soziale Rückschlüsse zu.

Computer für Kinder aus Mittel- und Oberschicht, Spielkonsolen und Gameboys für die aus bildungsfernen Elternhäusern: Die Nutzung von Medien hat nach Worten des Jugendforschers Klaus Hurrelmann viel mit der sozialen Herkunft zu tun. Hurrelmann ist Autor der World-Vision-Studie “Kinder in Deutschland 2010“, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Sie ergab auch, dass ein Fünftel der Sechs- bis Elfjährigen in eher prekären Verhältnissen lebt und die eigene Zukunft wenig optimistisch sieht.

“Kinder in Deutschland leben in einer Vier-Fünftel-Gesellschaft“, sagt Hurrelmann im DAPD-Interview. Die Kluft zwischen den vier Fünfteln der Kinder, die in stabilen und geordneten Verhältnissen aufwüchsen, und dem restlichen Fünftel habe sich seit der letzten Kinder-Studie aus dem Jahr 2007 noch vergrößert. Letzteren fehle der Glaube daran, sie könnten durch eigenes Handeln etwas verändern. Sie seien noch im Grundschulalter, hätten sich aber bereits aufgegeben.

Als auffällig bewertete Hurrelmann die Veränderungen bei der Mediennutzung im Vergleich zu 2007. Hatten damals 36 Prozent der Acht- bis Elfjährigen ein eigenes Handy, waren es diesmal 47 Prozent. Das Fernsehen stehe zwar immer noch auf Platz eins der meistgenutzten Medien, aber “Internet und Handy holen kräftig auf“. Dabei haben vor allem Kinder der Ober- beziehungsweise oberen Mittelschicht Zugang zum Internet - nämlich 63 Prozent. In den unteren Schichten sind es nur 41 Prozent. Hier sind nach Hurrelmanns Worten eher Medien wie Spielkonsolen, Gameboys oder auch das Fernsehen von Bedeutung.

Kinder aus gut situierten Familien nutzen dagegen bevorzugt Kassettenrekorder, CD-Player oder das Radio neben Computer und Internet. “Das hat etwas damit zu tun, ob man sich nur unterhalten lassen will oder aktiv etwas aus dem Medium rausziehen will“, erklärt der Jugendforscher.

Kinder brauchen Regeln

Bei der Freizeitgestaltung kristallisieren sich in der Studie drei Gruppen heraus: Die normalen Freizeitler (52 Prozent), die alles Mögliche machen, die Vielseitigen (24 Prozent), die sich zusätzlich zahlreichen musisch-kulturellen Aktivitäten widmen, und die Medienkonsumenten (24 Prozent). Letztere sind vor allem Jungen und überwiegend aus unteren sozialen Schichten. In der Mehrheit der Familien gelten Regeln für die Mediennutzung. Immerhin erklärten 24 Prozent der Kinder, dass sie tagsüber fernsehen, Computer oder Spielkonsole spielen dürften, wann immer sie wollten. Darunter war der Anteil der sogenannten Medienkonsumenten höher als der der normalen Freizeitler oder der Vielseitigen. Zugleich gaben die Kinder, für die es keine klaren Regeln beim Medienkonsum gelten, häufiger als andere an, es gebe immer wieder Streit mit den Eltern über die Dauer der Mediennutzung.

Auch Kinder, die ihren Eltern ein Zuwendungsdefizit bescheinigen, hatten häufiger Streit zu Hause wegen des Computerspielens oder Fernsehens. “Zu Zuwendung gehört auch Kontrolle“, sagt Hurrelmann. “Erziehen ist eine Beziehung“, in der Regeln definiert würden. Kindern keine freie Bahn zu lassen, sei für diese auch ein Signal: “Der Andere nimmt mich ernst.“ Dass gerade Familien aus unteren - und damit finanziell oft nicht sehr gut gestellten - Schichten viel Geld für Spielkonsolen, Gameboys etc. für ihre Kinder ausgäben, zeigt nach Ansicht Hurrelmanns die Hilflosigkeit vieler Eltern im Umgang mit der Sehnsucht ihrer Kinder nach Unterhaltungsmedien.

“Vereine sind ober- und mittelschichtlastig“

Nicht mit finanziellen Gründen erklären lässt sich, dass Kinder aus der Mittel- und Oberschicht wesentlich häufiger als andere Vereine, auch Sportvereine, besuchen. “Alles spricht dagegen, dass es eine Geldsache“ ist, sagt der Jugendforscher. Grund sei vermutlich eher die Skepsis, sich etwas Organisiertem anzuschließen, sich festzulegen - also Mitglied in einem Verein zu werden. “Man bewegt sich nicht gerne in die Öffentlichkeit.“

Positiv bewertet Hurrelmann, dass inzwischen mehr Kinder Ganztagsschulen besuchen und damit ganz offensichtlich auch zufrieden sind. Hier fordert er weiteres politisches Engagement: Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, Kinder einfach aufzugeben. Für die Studie befragte TNS Infratest im Herbst 2009 2.529 Kinder. Weltweit erstmals wurde ein Fragebogen eigens für Sechs- bis Siebenjährige entwickelt.

dapd

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