Mit Kindern nicht auf Abenteuerreise gehen

- München - Wer mit Kindern in die Ferne reist, sollte darauf achten, dass sie anfälliger für Infektionen als Erwachsene sind. Ungewohnte Nahrungsmittel und starke Flüssigkeitsverluste in tropischer Hitze machen dem Nachwuchs viel mehr zu schaffen, warnen Experten der Tropenmedizinischen Abteilung der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Kinder brauchen auch mehr Zeit zur Umstellung auf fremde Lebensbedingungen. Auf Abenteuer- und Trekkingreisen sollten Eltern mit kleinen Kindern lieber verzichten, empfiehlt Tropenmediziner Professor Thomas Löscher.

<P>Grundsätzlich sollten Kinder die Standardimpfungen (gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus influenzae B, Masern, Mumps und Röteln) hinter sich haben. Ob ein weiterer Impfschutz für Fernreisen nötig ist, müssten die Eltern mit dem Kinderarzt absprechen. Mit ungeimpften Kleinkindern sollten sie aber auf keinen Fall in Infektions-Risikogebiete wie Malaria-Regionen reisen. <BR><BR>Für größere Kinder (und ihre Eltern) wird die Prophylaxe mit Malaria-Medikamenten für das tropische Afrika und einzelne Regionen Indonesiens und Südamerikas empfohlen. Für Gebiete mit niedrigem Infektionsrisiko genügt eine Notfalltherapie (das Medikament wird mitgenommen). "Jedes unklare Fieber in den Tropen ist malariaverdächtig und besonders die Malaria tropica gefährlich", warnt der Tropenmediziner Prof. Hans Dieter Nothdurft. "Am Arzt sollte da nicht gespart werden."<BR><BR>819 Malaria-Kranke wurden 2003 in Deutschland gemeldet. Fünf überlebten die Infektion nicht. 80 Prozent aller Kranken hatten nach Angaben von Dr. Nikolaus Frühwein (Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen) keine oder eine falsche Prophylaxe durchgeführt.<BR><BR>Unbedingt raten die Ärzte zur Hepatitis-B-Impfung bei Kindern und Jugendlichen. Auch Hepatitis A ist weit verbreitet, nicht zuletzt an den beliebten Pauschalurlaubszielen Ägypten, Türkei, Marokko und Tunesien (nur gebratene und gekochte Speisen und Getränke nehmen!).<BR><BR>Auch Impfbeschränkungen gibt es: Mindestes ein halbes Jahr müssen sie alt sein, bevor sie gegen Gelbfieber oder Cholera geimpft werden können, erst ab zwei Jahren ist die Impfung gegen Typhus oder gegen die in manchen Ländern grassierende Meningokokken-Meningitis erlaubt. Nur der Impfstoff gegen die von Zecken übertragene FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) darf bereits Säuglingen mit sechs Wochen verabreicht werden. Zwei Impfstoffe liegen in deutschen Apotheken in Kinderdosierung vor.</P><P>"In Deutschland gibt es inzwischen Gebiete, in denen fünf Prozent der Zecken infiziert sind", warnt Dr. Gundula Jäger vom Max-von-Pettenkofer-Institut. Neben dem regulären Impfschema biete auch eine Schnellimmunisierung Schutz. Die FSME wird in Deutschland nur vom Holzbock übertragen, in Osteuropa und Fernost von anderen Zecken.<BR></P>

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