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Die Kino-Piraten im Vormarsch: Kaum ein Film ist nicht auf Streaming-Portalen zu finden.

Illegale Streaming-Portale im Internet verursachen Millionenschäden in der Film-Industrie

Kino-Piraten entern den Markt

Nicht mal mehr der Weg zur Videothek an der Ecke ist nötig, um sich einen schönen Filmabend zuhause zu machen – ohne ständige Werbeunterbrechungen: Nur fünf Mausklicks (das Wegklicken der Erotik-Werbebanner nicht eingerechnet) braucht man, um den aktuellen Kino-Film „Zauberhafte Nanny“ auf dem Online-Portal kino.to abzuspielen.

Legal Filme im Netz schauen

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten auf legale Online-Filmangebote zurückzugreifen. Kostenpflichtige Onlinevideotheken sind unter anderem:

•www.maxdome.de
•www.videoload.de
•http://videothek.alice.de (im Aufbau)
Kostenlose Angebote findet man auf:
•http://movies.msn.de
•www.myvideo.de
•www.youtube.com
•ARD/ZDF-Mediathek

Einfacher geht’s wohl kaum, und billiger sowieso nicht, nur die Qualität lässt oft zu wünschen übrig. Um die 70.000 Filme und knapp 350.000 Serien werden hier kostenlos angeboten. Ein Geheimtipp ist die Seite aber schon lange nicht mehr.

Laut Alexa-Statistik liegt die Streaming-Seite mittlerweile auf Platz 49 der meist besuchten Webseiten in Deutschland. Betreiber nicht bekannt Der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) ist das Portal schon länger ein Dorn im Auge, die Betreiber der illegalen Internetseite bekommen sie jedoch nur mühsam zu fassen.

Der Server, der die Seite speichert, liegt in Russland, die Internetadresse .to führt in den Inselstaat Tonga, ein Impressum sucht man vergebens. „Die Betreiber von kino.to wissen genau, dass ihr Handeln illegal ist und versuchen alles, um anonym zu bleiben“, sagt eine Sprecherin der GVU. Kino.to sei aber nur eine von 90 Internet-Seiten, die auf der schwarzen Liste der GVU stehe.

Ist das Konsumieren von Filmen auf Seiten wie kino.to, online-moviez.com und hollywood-streams.com also illegal? Die User sind unsicher, 279 000 Treffer immerhin liefert die Eingabe „kino.to legal“ bei Google, und auch Juristen sind nicht immer einer Meinung: Zwar sind nach §44a des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) „vorübergehende Vervielfältigungshandlungen, die flüchtig oder begleitend sind und einen integralen und wesentlichen Teil eines technischen Verfahrens darstellen“ zulässig.

Genau das nutzen die so genannten „Streaming-Portale“: Der Nutzer lädt die gewünschte Datei nicht auf seinen PC herunter, sondern empfängt sie als kontinuierlichen Datenstrom, der in kleinen Häppchen für kurze Zeit zwischengespeichert wird – so bleiben keine verfänglichen Dateien auf dem Rechner.

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack: Denn laut GVU stellt bereits das kurzzeitige Ablegen der Daten in einen Zwischenspeicher ein Problem dar.

Denn technisch sei es durchaus möglich, so auch eine dauerhafte Kopie zu erstellen. Dies sei aber nur bei rechtmäßiger Nutzung erlaubt und das sei bei einem illegalen Stream eben nicht der Fall. Auch Professor Dr. Gerald Spindler von der juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen äußert Bedenken: „Ob §44a hier greift, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Immerhin werden die Daten so lange zwischengespeichert, bis ein ganzer Film ablaufen kann.“

 Schäden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro sind der Filmindustrie durch diese Streaming-Portale laut GVU bereits entstanden. „Es geht uns aber nicht darum, die Konsumenten zu verfolgen. Wir wollen die Betreiber und sogenannte Releaser, also diejenigen, die das Material beschaffen, sprich aktuelle Kinohits von der Leinwand abfilmen und ins Netz stellen, dingfest machen“, heißt es von Seiten der Gesellschaft.

Also was nun – Couch oder Kino? Letztendlich bleibt die Nutzung von kino.to und ähnlichen Seiten also nicht nur eine Rechtsfrage, sondern vielmehr eine Gewissensentscheidung.

Denn auf lange Sicht wird die Filmwirtschaft die Millionenverluste nicht ausgleichen können: Höhere Eintrittspreise und teurere DVDs könnten die Folge sein – und ein sinnlicher Kinobesuch eine Luxus-Investition.

Von Belinda Helm

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