Wie ein kleiner Ort den König erzürnte

- Ein kleiner Ort in Unterfranken zieht in dieser Woche das Interesse der Historiker auf sich. Gaibach bei Volkach ist der Schauplatz der Geschichte, der in der Bavaristischen Ringvorlesung am Mittwoch, 15. Januar, um 19 Uhr vorgestellt wird. Dr. Katharina Weigand schildert im Auditorium maximum der LMU Verlauf und Hintergründe einer Jubelfeier für die bayerische Verfassung, die anders verlief, als sie geplant war.

<P>1818 erhielt das neugeschaffene Königreich Bayern, das jetzt auch Franken umfasste, seine erste Verfassung, in der zwar das monarchische Prinzip galt, die aber gleichzeitig viele liberale Bürgerrechte garantierte: Gleichheit vor dem Gesetz, Meinungs- und auch Gewissensfreiheit. </P><P>Sie galt bis zur Revolution von 1918. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts feierten die Bürger an vielen Orten mit Festen und Denkmälern dieses Grundgesetz des staatlichen Zusammenlebens. Das unterfränkische Gaibach nahm dabei aber eine besondere Rolle ein. 1821 legten Kronprinz Ludwig und Franz Erwein Graf von Schönborn hier den Grundstein für eine Verfassungssäule. </P><P>Obwohl der Graf, der früher ein reichsunmittelbarer Herr war, durch die Gründung des neuen Königreichs Bayern seine weitgehende Selbstständigkeit eingebüßt hatte, engagierte er sich für das Zusammenwachsen des neuen Staates und weihte zusammen mit Ludwig 1828 die Verfassungssäule ein. Ludwig, der inzwischen König geworden war, hatte seine ursprüngliche Verfassungsbegeisterung inzwischen abgelegt und träumte eher von einer unbeschränkten Königsmacht. </P><P>Dass auch eine Verfassung, die dem König eine noch sehr starke Stellung zubilligte, dennoch eine Sprengkraft entwickeln konnte, die dem Monarchen unangenehm werden konnte, zeigte sich bei der als Jubelfest geplanten Feier in Gaibach im Jahr 1832. In einer feurigen Rede drückte der Würzburger Bürgermeister Wilhelm Joseph Behr nicht so sehr die Dankbarkeit des Volkes für die Gnade aus, eine Verfassung bekommen zu haben. Er forderte vielmehr eine energische Fortentwicklung, hin zu mehr politischer Partizipation und damit Macht des Volkes und damit zu einer wahren demokratischen Verfassung. <BR></P>

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