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Wenn nichts mehr zu kitten ist: Bis zu 10 000 Paare nutzen jährlich das Internet um ihre Scheidung zu organisieren.

Online-Trennungen werden immer beliebter – Kasseler Anwalt sieht Angebot kritisch

Ein Klick zur Scheidung

Geht eine Ehe in die Brüche, ist das meist nur für einen erfreulich: den Scheidungsanwalt. Für die Beteiligten sind die gemeinsamen Termine beim Anwalt eher unangenehm und nervenaufreibend.

Wer sich das sparen will, hat auch die Möglichkeit, sich online scheiden zu lassen. Gibt man bei Google die Begriffe „Scheidung“ und „Online“ ein, erhält man über 700 000 Treffer. Und unzählige Anwaltskanzleien bieten die Online-Scheidung mittlerweile an.

Auch die Kasseler Kanzlei Lengemann, van Velzen, Berding und Leyhe wirbt auf ihrer Homepage mit „Scheidung Online – Einfache Scheidung per Internet“. Und tatsächlich erscheint die Scheidung per Mausklick zunächst unkompliziert. In einem Formular müssen die Personendaten der Ehepartner eingegeben sowie Angaben zu Hochzeit, Trennung, Versorgungsausgleich und gemeinsamen Kindern gemacht werden.

Sind alle Angaben korrekt und keine Fragen mehr offen, reicht der Anwalt den Antrag auf Scheidung bei Gericht ein. Wie viele Online-Scheidungen er pro Jahr abwickelt, kann Leander van Velzen, Anwalt in der Kasseler Kanzlei, nicht sagen. Fachjuristen schätzen, dass jährlich 5000 bis 10.000 Paare in Deutschland die Online-Scheidung nutzen.

„Es sind hauptsächlich jüngere Paare – Menschen, die privat viel im Netz unterwegs sind und sich mit Computern beschäftigen – die das Online-Angebot nutzen“, sagt van Velzen. Obwohl van Velzens Kanzlei selbst Online-Scheidungen anbietet, gibt der Anwalt zu, nicht hundertprozentig dahinter zu stehen.

„Eigentlich ist der Begriff Online-Scheidung Augenwischerei, denn tatsächlich spart man sich nur den ersten Gang zum Anwalt.“ Häufig sei dennoch ein persönlicher Kontakt zwischen Anwalt und Mandat nötig, weil Angaben fehlten oder verschiedene Fragen zu klären seien. „Die Online-Scheidung macht es nicht leichter, weil wir viele Dinge schriftlich regeln müssen, die sonst schnell in einem Gespräch geklärt wären“, sagt van Velzen.

Deshalb rät er die Online-Scheidung auch nur Paaren, die sich in allen Punkten bereits einig sind.„Wenn Fragen zu gemeinsamen Kindern oder zum Versorgungsausgleich offen sind, kann ich die Online-Scheidung nicht empfehlen.“ Gespräch oft nötig Auch Familienrechtler stehen dem Online-Angebot skeptisch gegenüber.

So hält zum Beispiel Rechtsanwältin Ingrid Groß, Vorsitzende des Familienrechtsausschusses des Deutschen Anwaltsvereins, ein persönliches Gespräch für unerlässlich. Nur so seien offene Fragen zu klären. Und ganz online funktioniert diese Form der Scheidung ohnehin nicht: Zum Termin vor Gericht müssen beide Partner persönlich erscheinen.

Von Maren Schultz

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