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Sommerliche Hitze in Frankfurt am Main. Da tut Abkühlung im Wasser gut – sofern genug davon vorhanden ist.

Wetterextreme

Wie Städte die Folgen des Klimawandels abmildern können

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Städte leiden unter dem Klimawandel. Nun entwickeln Forscher ein Konzept, wie Städte sich besser an Hitzeperioden und Starkregen anpassen können.

Gleißende Hitze, die sich zwischen Häusern staut. Verdorrte Bäume und Büsche, die im Sommer aussehen wie sonst nur im Spätherbst. Gelb gewordene, vertrocknete Rasenflächen. Oder auch das; überflutete Keller nach heftigem Gewitterregen, plötzliche Hagelschauer und gewaltige Pfützenlandschaften auf Straßen, die das Durchqueren für Radfahrer, Motorräder und Autos gleichermaßen zu einer heiklen Angelegenheit werden lassen.

Extreme Wetterverhältnisse als Folgen des Klimawandels machen sich in Städten oft besonders unangenehm bemerkbar, setzen Menschen, Tieren, Pflanzen, aber auch Straßen und Gebäuden stark zu. Doch die negativen Effekte ließen sich abmildern und die Städte „robuster machen“, sagen Wissenschaftler – mit einer „klugen Stadt- und Infrastrukturplanung“.

Klimawandel: Städte reagieren empfindlich auf extremes Wetter

Wie genau das gelingen kann, hat eine Forschergruppe unter der Leitung des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt (ISOE) gemeinsam mit Vertretern der Städte Berlin und Norderstedt im Projekt „netWORKS 4“ untersucht, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Beteiligt an dem Projekt waren neben dem ISOE noch das Deutsche Institut für Urbanistik, das Kompetenzzentrum Wasser Berlin, die Berliner Wasserbetriebe, die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin sowie die Stadt Norderstedt.

Städte reagieren deshalb so empfindlich auf extreme Wettereignisse wie langeanhaltige Hitzeperioden und Starkregen*, weil sie dicht bebaut sind und es dort meist nur relativ wenig Grün gibt. Aus diesem Grund heizen sie sich stärker auf als dörflich geprägte Regionen. Und weil die Böden in den Städen mit ihren vielen Straßen, Plätzen und Bürgersteigen versiegelt sind, kann das Wasser nicht in ihnen versickern, es kommt zu Überflutungen.

Klimawandel: Städtisches Grün hilft bei Hitze und Starkregen, sagen Forscher

Für beide Wettereignisse– Hitze ebenso wie Starkregen – könne städtisches Grün als Teil der Infrastruktur Lösungen bieten, erklären die Forscher. Denn Parks, Stadtwälder, Straßen- und Gebäudegrün seien im urbanen Raum nicht nur als Erholungsorte sowie für den Erhalt der Biodiversität von Bedeutung. „Sie spenden auch Schatten, tragen zur Kühlung bei und können Starkregen abpuffern“. Den „grünen Infrastrukturen“ komme deshalb eine „wichtige Rolle“ bei der Anpassung von Städten an das sich wandelnde Klima zu.

Allerdings benötigen städtische Grünanlagen ausreichend Wasser – und das umso mehr während ausgedehnter Hitzeperioden, wie sie in Zukunft verstärkt zu erwarten sein werden. Zwar gelte Deutschland mit zirka 800 Litern pro Quadratmeter immer noch als wasserreiches Land, sagt Projektleiterin Martina Winker. Doch während anhaltender Hitze und Trockenheit könne es auch in deutschen Städten zu Problemen kommen. „Die Bewässerung von Bäumen und Stadtgrün mit aufwendig aufbereitetem Trinkwas-ser ist nicht nur sehr kostenintensiv für die Kommunen“, sagt die Frankfurter Forscherin: „Wenn wegen großer Hitze der Wasserbedarf insgesamt in einer Region steigt, kann das auch lokal zu Versorgungsengpässen und Wasserknappheit führen.“

Klimawandel in der Stadt abfedern: Grünflächen wirken auf das Mikroklima

Die Folge: Für eine ausreichende Bewässerung von Grünanlagen steht dann möglicherweise nicht mehr genug Wasser zur Verfügung. Rasenflächen, Beete und Bäume könnten vertrocken und verlören damit ihre positive Wirkung auf das Mikroklima und die Grünflächen zudem ihre Aufenthaltsqualität. Die Böden wiederum können aufgrund langer Trockenheit bei einsetzendem Starkregen die sich vom Himmel ergießenden großen Wassermengen nicht nicht mehr aufnehmen.

„Im Forschungsprojekt netWORKS 4 haben wir untersucht, wie wir die technischen Infra-strukturen der Wasserversorgung und -entsorgung besser mit den grünen und blauen Infrastrukturen, also mit den natürlichen und künstlichen Gewässern einer Stadt, verknüpfen können“, sagt Martina Winker.

Klimawandel: Grünanlagen müssen nicht mit Trinkwasser gewässert werden

Das Stadtgrün müsse dabei nicht mit Trinkwasser gewässert werden. Betriebswasser aus aufbereitetem Grauwasser (genutztes, aber fäkalienfreies Wasser etwa aus der Dusche oder Waschmaschinen) oder aufgefangenes Regenwasser eigne sich ebenso gut „und schont die wertvollen Trinkwasservorräte“: „Umgekehrt kann die gezielte dezentrale Regenwasserbewirtschaftung Starkregenereignisse abmildern, die überforderten Ablaufsysteme der Kanalisation entlasten und vor Überflutung schützen.“

Bislang hat die Sache allerdings noch einen Haken, denn es existiert längst nicht überall eine Verknüpfung zwischen Stadtgrün und alternativen Wasserressourcen. Sie sollte „institutionell entwickelt werden“, schlagen die ISOE-Forscher vor: „Die ersten Kommunen haben begonnen, gezielt nach anderen Wasserquellen zu suchen, denn die Potenziale sind sehr groß“, berichtet Martina Winker.

Synergien in der Stadt können den Folgen des Klimawandels entgegenwirken

„Für die Vernetzung von grauen, grünen und blauen Infrastrukturen müssen Städte und Kommunen in Planungs- und Abstimmungsverfahren neue Aspekte berücksichtigen,“ sagt Jan Trapp vom Forschungspartner Deutsches Institut für Urbanistik. Doch der Mehraufwand lohne sich. „Die Synergien zwischen den unterschiedlichen Infrastrukturen können nachweislich Ressourcen schonen und den Folgen des Klimawandels* entgegenwirken.“ So ließe sich allein die Wärmebelastung an heißen Tagen in den Städten um bis zu einem Grad Celsius senken.

Damit sich solche Ideen auch erfolgreich umsetzen lassen, sei es notwendig, dass sich Stadtentwickler, Betreiber der verschiedenen Infrastrukturen und die Eigentümer von Gebäuden und Grundstücken „frühzeitig“ über gemeinsame Ziele verständigen würden, erklärt Trapp.

Einen für alle Städte gültigen Ansatz für die Planung und Umsetzung einer Klimaanpassung gibt es bislang allerdings nicht. Dazu seien die örtlichen Voraussetzungen „zu unterschiedlich und komplex“. Das Team von „netWORKS 4“ hat deshalb einen Katalog mit einzelnen Bausteinen entwickelt. Er soll kommunalen Akteuren, aber auch privaten Bauträgern zeigen, wie sich die Abwasser- und Niederschlagsbewirtschaftung mit grüner und blauer Infrastruktur koppeln lässt, wie die Begrünung von Gebäuden funktioieren und Betriebswasser zum Bewässern von Grünflächen genutzt werden kann.

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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