Klimawandel am Königssee

- Auch im bayerischen Hochgebirge wandelt sich das Klima. Das haben Forscher vom Department für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) jetzt anhand von Untersuchungen im Nationalpark Berchtesgaden gezeigt. Demnach sind die Temperaturen in der Region in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen. Das Wasser des Königssees erwärmte sich an der Oberfläche um mehr als ein Grad.

"Als wir beschlossen, unsere Klimauntersuchungen in den bayerischen Bergen durchzuführen, wollten wir das in einer Umgebung machen, die von den Menschen noch wenig beeinflusst ist", sagt Mark Vetter, der Leiter des Projekts "LAKE". Schnell fiel die Wahl dann im Jahr 1999 auf den Königssee.

Zusammen mit seinen Mitarbeitern fuhr Vetter in den vergangenen fünf Jahren wöchentlich einmal zu dem idyllischen See bei Schönau und untersuchte dort die Qualität und die Temperatur des Wassers bis auf den Grund in 194 Meter Tiefe. Ihre Ergebnisse verglichen die Münchner Geowissenschaftler mit Daten einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 1979.

"Dabei haben wir festgestellt, dass die durchschnittliche Wassertemperatur an der Oberfläche im Sommer um rund 1,2 Grad in den letzten 20 Jahren angestiegen ist", erklärt Vetter. "Selbst in 60 Meter Tiefe ist es heute um 0,3 Grad wärmer als damals."

Die Geographen errechneten daraufhin die Wärme-Energie, die das Wasser des Königssees insgesamt mehr beinhaltet als Ende der 70er-Jahre. "Heute sind rund zehn Prozent mehr Wärmeenergie im Wasser gespeichert", sagt Vetter. "Das ist eine sehr große Veränderung", sagt er.

Aufgrund der Erwärmung könnte sich das Ökosystem des Sees in den nächsten Jahren verändern. Denn die viel höheren Temperaturen des Oberflächenwassers haben negative Folgen für den Austausch mit den tieferen Wasserschichten. "Insgesamt bedeutet das, dass die Umwälzung des Wassers schwieriger wird", sagt Vetter. "Das hat zum Beispiel Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt des tieferen Wassers. Er könnte weniger werden." Dies könnte das Algenwachstum anregen und zu Verschiebungen im Artenspektrum führen. "Andere Seen wären davon allerdings weitaus früher betroffen als der tiefe, ökologisch stabile Königssee", sagt Vetter.

Zurückzuführen sind die höheren Wassertemperaturen auf die gestiegenen Lufttemperaturen, die in der Region nun herrschen, und auf die vermehrte Sonnenscheindauer. "Heute scheint im Mittel im untersuchten Zeitraum in Bad Reichenhall rund 220 Stunden im Jahr die Sonne, damals waren es nur 160."

Erfreulich fielen dagegen die chemischen Wasseruntersuchungen des Sees aus. "Seit die Abwässer von St. Bartholomä nicht mehr in den See geleitet werden, hat die Qualität sich verbessert", sagt Vetter. "Der Eintrag der Fäkalien, die bei der Almwirtschaft anfallen, schadet dem Königsee so gut wie nicht", meint der Geograph. "Wir haben hier Trinkwasserqualität."

In den nächsten Jahren wollen die Münchner Forscher nun ihre Untersuchungen auch auf andere bayerische Seen ausdehnen und umfangreiche Studien darüber erstellen, wie sich der Klimawandel auf sie auswirkt.

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