Klimawandel macht Pollen aggressiv

- München -­ Die Augen tränen, die Nase läuft und der Husten quält: Viele Heuschnupfen-Patienten klagen dieses Frühjahr über besonders starke Beschwerden. Woran das liegt, können auch Experten nur vermuten. Sie glauben, dass die Blütenpollen immer mehr und aggressiver werden ­ möglicherweise eine Folge des Klimawandels.

"Der Pollenflug ist in diesem Jahr besonders stark", sagt Dr. Franziska Rueff von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Zahl der Patienten, die mit Allergiesymptomen in die Klinik kommen, habe in den letzten zehn Tagen dramatisch zugenommen, so Rueff.

Sorgt Hoch "Peggy" für mehr Blütenstaub?

Eine Zunahme der Beschwerden hat auch Prof. Ulf Darsow beobachtet, Leiter der Allergie-Abteilung an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München. Er hat Hoch "Peggy" als Ursache für die großen Mengen an Blütenstaub in Verdacht: "Es könnte sein, dass viele Blütenpollen wegen des anhaltend guten Wetters schlagartig freigesetzt werden", vermutet er. Doch ob derzeit tatsächlich mehr Blütenstaub durch die Luft wirbelt als sonst, könne man noch nicht sagen. Dazu müsse man die Messergebnisse der sogenannten Pollenfallen abwarten. Eine davon fängt die winzigen Staubkörner auf einer Wiese auf dem Klinikgelände auf.

Birkenpollen fliegen drei Wochen früher

Während die Blüte von Hasel und Erle weitgehend vorbei ist, sind schon die Pollen von Ulme, Esche und vor allem der Birke unterwegs. "Drei Wochen früher als in den vergangenen Jahren", sagt Franziska Rueff. Auf den Blütenstaub der Birke reagieren besonders viele Menschen allergisch.

Den früheren Pollenflug bestätigt auch Prof. Annette Menzel, Ökoklimatologin an der Technischen Universität München: "In Messungen beobachten wir seit zwei bis drei Jahrzehnten Veränderungen." Haselpollen seien in dieser Saison schon im Dezember geflogen, sagt die Forscherin. Mit dem Klimawandel könne aber auch die zunehmende Menge des Blütenstaubs zusammenhängen, vermutet Menzel: In Versuchen habe man festgestellt, dass eine erhöhte Kohlendioxid-Konzentration die Pflanzen besser wachsen und somit auch stärker blühen lasse, bestätigt die Wissenschaftlerin.

Wird der Blütenstaub immer aggressiver?

Doch nicht nur auf die Menge der Pollen kommt es an: "Je mehr Allergene sie enthalten, desto aggressiver sind sie", erklärt Rueff. Das Immunsystem der Allergiker reagiert dann heftiger. Forscher vermuten, dass Pflanzen unter ungünstigen Bedingungen besonders viele Allergene bilden. Dazu gehört auch Hitzestress ­ ausgelöst durch steigende Temperaturen.

Histamine führen zu Juckreiz und Triefnase

"Eine Allergie ist ein Eigentor des Abwehrsystems", erklärt Rueff. Treffen Eiweißkörperchen auf der Oberfläche von Immunzellen auf ein passendes Allergen, dann setzen diese Zellen ihren giftigen Inhalt frei. "Ein ganzer Cocktail von Substanzen", sagt Rueff. Vor allem die Histamine darunter lösen Juckreiz und Schwellungen aus. In schlimmen Fällen bekommen die Patienten sogar grippeähnliche Symptome und Asthma.

Medikamente regelmäßig einnehmen

Nicht nur wegen der unangenehmen Beschwerden sollte man den ständigen Schnupfen behandeln: "Sonst droht eine Nasennebenhöhlenentzündung", warnt Rueff. "Außerdem können sich Polypen bilden."

Helfen können Medikamente aus der Apotheke: Tabletten und Augentropfen mit sogenannten Antihistaminika machen das Gift aus den Immunzellen unschädlich. Sprays befreien die verstopfte Nase: "Man sollte spezielle Nasensprays für Allergiker benutzen", sagt die Expertin. "Normale Sprays machen schnell süchtig."

Was viele nicht wissen: "Der Erfolg der Behandlung hängt von einer regelmäßigen Anwendung ab", sagt Prof. Darsow. Die Medikamente sollte man schon vor den ersten Symptomen einnehmen ­ sobald die Bäume zu blühen beginnen, gegen deren Pollen man allergisch reagiert. Zudem rät er zur sogenannten Hyposensibilisierung. Die "sublinguale Therapie" könne man auch noch während der Saison beginnen.

Leiden Allergiker bald das ganze Jahr über?

Künftig werden Allergiker vielleicht nicht einmal im Spätsommer aufatmen können: Denn dann beginnt die Blütezeit von Ambrosia, des Beifußblättrigen Traubenkrauts. Die ursprünglich nordamerikanische Pflanze schlägt dank milder Temperaturen auch in Deutschland immer öfter Wurzeln. Ihr Blütenstaub löst besonders häufig Allergien aus ­ in den USA so oft wie bei uns die Birke. Besonders gefährdet sei, wer bereits eine Allergie habe: "Alle Zellen für eine allergische Reaktion sind bereits da", erklärt Rueff. "Der Körper ist ständig in Bereitschaft."

Weitere Informationen dazu aus dem Internet finden >>>hier

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