Kliniken an der Zeitenwende

- Auch in den Kliniken geht die Sparsorge um. Der Ärztliche Direktor des Klinikums rechts der Isar, der Chirurg Professor Jörg Rüdiger Siewert, berichtete bei einer Weihnachtsfeier ohne Schnörkel über die Probleme, die auch dem nunmehr selbständigen Klinikum der TU München bevorstehen.

<P>Gespart wird im Klinikum bereits jetzt an allen Ecken und Enden, davon können viele Mitarbeiter ein Lied singen. Die Entwicklung im nächsten Jahr wird zeigen, wohin der weitere Weg geht.<BR><BR>Das Problem Nr. 1, unter dem ab 2004 alle Krankenhäuser zu leiden haben werden, heißt DRG, die diagnosebezogene Abrechnung (Fallpauschale). Sie bringt allen Krankenhäusern weniger Einnahmen. Höhere Ausgaben werden dagegen vom Arbeitszeiturteil des Europäischen Gerichtshofs erwartet, nach dem neue Schichtdienste eingerichtet und mehr Ärzte eingestellt werden müssen. <BR><BR>Hinzu kommt für Universitätskliniken die Abschaffung des AIP (Arzt im Praktikum). Siewert: "Die kostet uns pro Position und Monat 2000 Euro mehr." Außerdem müssen alle Universitätsklinika wegen der angespannten Haushaltslage auch mit einem geringeren Zuschuss für Forschung und Lehre rechnen. Siewert: "Bereits 2004 werden Betriebs- und Investitionshaushalt um jeweils 2,5 Prozent gekürzt." Hinzu kommt die bedenkliche Kürzung der Bundesgelder im Hochschulbau.<BR><BR>"Einsparungen können nur durch strukturelle Veränderungen erreicht werden, und hier bedarf es mutiger politischer Vorgaben", so der Klinikchef. Und mahnend fügt er hinzu: "Ohne Zweifel stehen wir an einer Zeitenwende. Die Existenzfrage wird sich für mehr Universitätsklinika in Deutschland stellen, als wir es uns heute vorstellen können." <BR><BR>Doch Rechts der Isar gehe man mit Hoffnung die Probleme an, versichert Siewert. Zumindest hat sein Haus mehr Selbständigkeit für den Kliniketat errungen. Denn seit dem Sommer ist das Klinikum der TUM eine Anstalt des Öffentlichen Rechts. <BR><BR>Selbständigkeit hin oder her - von der TUM will man sich aber nicht entfernen, da ist sich Siewert mit den anderen Mitgliedern des Direktoriums einig (bis 2007 gehören neben Siewert auch der Verwaltungschef Claus Thaller, die Pflegechefin Anette Thoke-Colberg und der Medizin-Dekan Prof. Markus Schwaiger dazu).<BR><BR>Im Gegensatz zu der Zeit vor zehn, zwölf Jahren, als man die TUM noch nicht so recht als Alma mater für die Medizin empfand, sei heute "die Erkenntnis unumstritten, dass die Fakultät für Medizin ohne Technische Universität nicht existenzfähig, vor allem aber nicht überlebensfähig wäre." <BR></P>

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