Kloster als Karriere-Sprungbrett

- Der Eindruck täuscht. Wer von München ins beschauliche Benediktbeuern (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) fährt und vor den imposanten Türmen der Basilika des gleichnamigen Klosters steht, wird nicht vermuten, dass hier studentisches Leben herrscht. Reges studentisches Leben sogar. Denn die hier untergebrachte Abteilung der Katholischen Stiftungsfachhochschule (KSFH) München gilt als eine der Besten in Deutschland.

<P>Wer in Benediktbeuern Soziale Arbeit studiert, muss sich nicht in überfüllte Hörsäle quetschen, kennt seinen Professor höchstpersönlich und kann davon ausgehen, unmittelbar nach dem Studium einen Arbeitsplatz zu finden. Ein wenig Stolz schwingt deshalb auch in der Stimme von Prof. Pater Franz Schmid mit, wenn der Vizepräsident der KSFH über die Vorzüge "seiner" Hochschule spricht: "Wir sind klein, auf dem Land und haben ein eindeutiges Profil als kirchliche Hochschule." Aber ein "kirchliches Profil" - ist das in Zeiten zunehmender Kirchenaustritte und Gotteszweifler nicht dem Untergang geweiht ? "Ganz im Gegenteil", sagt Schmid. "Kirchliche Hochschulen bieten für angehende Sozialpädagogen viel bessere Studienbedingungen als staatliche Universitäten. <BR><BR>Und weil der Student heute qualitative Ausbildung, ein überschaubares Umfeld und vor allem persönliche Betreuung wünscht, haben wir keine Probleme mit dem Nachwuchs."</P><P><BR>Laut Statistik werden in Benediktbeuern 18 Studenten von einem Professor betreut. Bei einem Ranking, das das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im Juni 2001 durchführte, lag die KSFH in den Kategorien Studentenurteil und Studienorganisation sogar auf Platz eins, nur die Angebote des Hochschulsports hielten die Prüfer noch für verbesserungswürdig.<BR><BR>Derzeit studieren 520 junge Frauen und Männer in Benediktbeuern. Wer aufgenommen werden will, muss nicht nur einen guten Abitur-Notendurchschnitt (1,8 bis 2,1), sondern auch soziales Engagement nachweisen können. Die Bewerber kommen aus ganz Europa - denn die KSFH ist ihrerseits auch bemüht, den Studenten den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand zu bieten. <BR><BR>So gibt es seit Jahren begehrte Seminare, die sich mit den Sozialsystemen der europäischen Nachbarländer beschäftigen. Wer daran teilnimmt, darf schon mal nach Paris, London, Brüssel, Stockholm oder Vilnius reisen. Außerdem gibt es den dreisemestrigen Weiterbildungs-Studiengang "Master of Social Work". Wegen seiner Blockveranstaltungen wird er besonders von Berufstätigen geschätzt.<BR><BR>Und noch eine Spezialität gibt es in Benediktbeuern: Wem die KSFH noch nicht genug ist, der kann ein Doppelstudium an der (ebenfalls im Kloster untergebrachten) Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) der Salesianer Don Boscos beginnen.<BR><BR>Obwohl die 3300-Seelengemeinde Benediktbeuern keine studentische Infrastruktur zu bieten hat, kommt bei den KSFHlern nur selten Langeweile auf. Abgesehen von vielfältigen Freizeitmöglichkeiten in wunderschöner Natur, gekrönt von zwei Seen, einem großen Moor und zahlreichen Berggipfeln, organisieren sie jedes Semester Musical-Aufführungen, ein Kleinkunstbrettl oder Kino-Abende in der Caféteria. Das einzige, was noch fehlt, ist eine Mensa. "Wann sie kommt, steht leider noch nicht fest, das letzte Wort liegt bei den Salesianern", sagt Pater Schmid, doch gebe es schon seit einiger Zeit "intensive Gespräche".<BR><BR></P>

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