Erneut Polizei-Ermittlungen bei Holzkirchen: S3 endet vorzeitig

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Kommissar Schmeißfliege

- Wenn sich auf einem verwesenden Körper unzählige kleine Maden kringeln, dreht sich den meisten Normalsterblichen vor Ekel der Magen um. Jens Amendts Herz dagegen schlägt höher beim Anblick einer von Fliegenmaden besiedelten Leiche. Für den Insektenforscher sind die Tierchen wichtige Zeugen, denn anders als Körpertemperatur oder Leichenstarre verraten sie ihm bis zu vier Wochen nach dem Tod eines Menschen, wann er gestorben ist. Immer häufiger werden Entomologen wie Amendt bei polizeilichen Ermittlungen zugezogen, wenn die herkömmliche Rechtsmedizin an ihre Grenzen stößt.

Die Made einer Schmeißfliege ist für Jens Amendt wie ein offenes Buch. Ihre Größe, ihre Aktivität, ihre Entwicklungsgeschwindigkeit - all das sind Faktoren, aus denen der Insektenforscher die minimale Liegezeit eines Leichnams berechnen kann. Die Natur kennt keine Pietät: "Fliegen platzieren ihre Eier sehr schnell, etwa 30 bis 40 Minuten nach dem Tod eines Menschen", sagt Amendt, der im Institut für Forensische Medizin in Frankfurt am Main arbeitet.

In Amerika längst kriminalistischer Alltag, ist die forensische Entomologie in Deutschland noch wenig verbreitet. Nur eine Handvoll Insektenforscher werden bei polizeilichen Ermittlungen zugezogen. Jens Amendt ist als einziger in einem rechtsmedizinischen Institut angestellt und erstattet bundesweit Gutachten.

Etwa fünfmal im Jahr wird der 39-Jährige zum Tatort gerufen, wo er den Leichnam genau untersucht, Fotos macht und Proben nimmt. "Es ist wichtig, nicht nur den Körper selbst, sondern das Umfeld, manchmal sogar die ganze Wohnung zu durchsuchen", sagt Amendt. Denn befindet sich eine Fliege im Puppenstadium, neige sie dazu, sich zu ihrem Schutz ein Versteck zu suchen.

Zehn bis 15 der insgesamt 60 Schmeißfliegenarten sind für den forensischen Entomologen interessant, bei längerer Liegezeit auch andere Fliegen oder Käfer. Nicht jede erkennt Amendt auf den ersten Blick. "Manchmal müssen wir eine Made durchzüchten oder sogar die DNA bestimmen, um eine Art genetischen Flügelabdruck zu bekommen."

Nach ein bis zwei Tagen kann Amendt meist erste Ergebnisse liefern. "Der Zeitraum, den wir angeben, ist ziemlich sicher."

Außer der Bestimmung der Fliegenart gilt es auch, äußere Faktoren wie Wetter und Liegeplatz der Leiche zu berücksichtigen. "Eine Fliege entwickelt sich temperaturabhängig", sagt Amendt. Er stößt an seine Grenzen, wenn ein Körper tagelang an einem kühlen Ort lag und danach woanders hingebracht wurde, der Fliegenbefall vielleicht erst später einsetzte. Wenig weiß die Forschung bisher auch über das Verhalten von Fliegen bei Nacht. Mit eigenen Laborversuchen will Amendt diese Wissenslücke schließen. Trotzdem gilt: "Wir geben nur die minimale Liegezeit an, nicht den exakten Todeszeitpunkt." Den Rest muss wie bisher die Polizei erledigen.

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