Konfliktfeld Gentechnik

- Pommes frites und Kartoffel-Chips gelten als ungesunde Dickmacher. Geht es nach Professor Gerhard Wenzel von der Technischen Universität München, könnte das schlechte Image dieser Nahrungsmittel bald passé sein. Der Wissenschaftler vom Institut für Pflanzenzüchtung hat Kartoffeln gentechnisch verändert: Sie sollen einer schweren Augenerkrankung vorbeugen. Jetzt geht der Freilandversuch im Landkreis Fürstenfeldbruck in die nächste Saison - und damit auch der Kampf auf dem Kartoffelacker. Denn Gentechnik-Gegnern sehen in den gesunden Knollen mehr Risiken als Nutzen.

Begonnen hat der Kampf bereits 2003. Wissenschaftler pflanzten 1200 Knollen auf dem Gut Roggenstein in Olching. Doch schon im ersten Jahr verwüsteten Unbekannte das Feld. "Wir mussten den Acker mit teuren Überwachungskameras ausstatten", erzählt Wenzel. Im Folgejahr war die Forschung erneut in Gefahr: Die Gemeinde Olching, ein Landwirt und der Bund Naturschutz klagten gegen die Versuche. Das Verfahren wurde eingestellt, nachdem sich die TUM verpflichtet hatte, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen: Kaninchenzäune und vogelsichere Käfige schützen seither Tier und Knolle.

Kartoffeln schützen vor Makuladegeneration

Den Aufruhr um seine Knollen kann Wenzel nicht verstehen. Er wollte eigentlich nur einen einfachen Schutz vor einer Krankheit bieten: vor der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), die meist zum Erblinden führt. Die Kartoffelknollen reichern Zeaxanthin an, einen Schutzstoff gegen dieses Augenleiden. "Zeaxanthin kommt natürlicherweise in der Kartoffel vor, wird aber durch ein Enzym abgebaut", erklärt Wenzel. Den TU-Forschern ist es gelungen, das entsprechende Gen auszuschalten. Die modifizierte Kartoffel enthält jetzt rund 130 Mal mehr Zeaxanthin als die Ausgangssorte.

Seine Gegner erkennen keinen Sinn in der Forschung des Biologen: "Zeaxanthin-Kartoffeln sind so überflüssig wie eine Neuerfindung des Rades", meint Andreas Bauer vom Umweltinstitut München. Denn wie Studien gezeigt haben, könne auch eine natürliche, Zeaxanthin-reiche Kost schützen. Doch viele Menschen ernähren sich zu einseitig.

Mit den aktuellen Versuchen will der Münchner Wissenschaftler vor allem die Risiken seiner Pflanzen erforschen. Die Kritik des Umweltinstitutes, warum man erst jetzt die Gefahren untersuche, weist Wenzel zurück: "Wir wollten das schon im ersten Jahr herausfinden. Doch Erkenntnisse gingen verloren, weil unser Feld zerstört wurde." In den Folgejahren habe man untersucht, wie weit der Pollen getragen werde. "Nun wollen wir noch herausfinden, wie sich die Zeaxanthin-Kartoffeln auf die Mikroorganismen im Boden auswirken."

Das Umweltinstitut wirft den Forschern indes auch den Einsatz von Genen vor, die resistent gegen Antibiotika machen sollen und ab 2009 in der EU verboten sind. Wenzel wiegelt ab: Die Gene würden nur im Versuch eingesetzt. "Für Forschungszwecke ist es einfacher, mit diesen Genen zu arbeiten. Auf den Tisch kommen aber mit Sicherheit keine Kartoffeln mit Resistenzgenen."

Schon 1994 wurden auf Gut Roggenstein gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, damals jedoch noch Raps und Mais. Die Kartoffel ist nach Wenzel viel sicherer: "Raps und Mais vermehren sich über Pollen, Kartoffeln dagegen nur über die Knolle." Zudem gebe es keine verwandten Arten in Europa, die sich mit der Kartoffel kreuzen ließen.

Für die Zukunft haben die TU-Forscher schon weitere Experimente geplant: "Wir wollen die Pflanzen gegen Trockenheit und Hitze resistent machen. Damit könnten sie auch in Dürre-Regionen angebaut werden."

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