Konzert im Eis

- Kein Zweifel, der Eisberg sang. Die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven waren erstaunt über die ungewöhnlichen Laute, die sie dem antarktischen Riesen ablauschten. Harmonisch klangen sie mit bis zu 30 Obertönen - wenn auch nicht für das menschliche Ohr. Dafür war der Bass des weißen Riesen viel zu tief. Doch der Seismograph, den die Forscher an der Neumayer-Station betrieben, ließ keine Zweifel offen: der Eisberg gab Töne von sich.

Wie die Geophysiker im Wissenschaftsmagazin "Science" berichten, machten sie anfänglich vulkanische Aktivitäten in der Region für die als Tremore bezeichneten, niederfrequenten Schwingungen verantwortlich. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Quelle der Schwingungen wanderte. Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen konnten die Wissenschaftler einen gigantischen Eisberg als Ursache identifizieren.

Die Forscher vermuten, dass innerhalb seiner Spalten- und Tunnelsysteme strömendes Wasser elastische Schwingungen anregt, ähnlich den Schwingungen einer Orgelpfeife. Nun hoffen sie, dass die Ton-Aufzeichnungen des singenden Eisbergs Vulkanologen helfen könnten, die Ursachen des Tremor-Phänomens bei Feuerbergen besser zu verstehen. Bei vulkanischen Tremoren ruft vermutlich wandernde Lava ähnliche Obertöne hervor.

Dass Eisberge Obertöne von sich geben, haben die AWI-Geophysiker schon mehrmals beobachtet. Das spektakulärste der insgesamt elf Ereignisse von singenden weißen Riesen zeichneten sie bereits im Jahr 2000 auf. Auslöser war damals die Kollisionen eines Eisbergs mit dem Meeresgrund. Danach wurden seismische Signale mit wechselnden Frequenzen registriert, die von einer Ruhephase abgelöst wurden. Die Geräusche entstanden durch andauernde Kollision des Eisbergs mit dem Meeresgrund und durch Einbrüche innerhalb des Eises.

Die Schwingungen wurden noch in einer Entfernung von über 800 Kilometern wahrgenommen und waren mit vulkanischen Tremoren, wie dem vom Mount St. Helens oder den Hawaii-Vulkanen vergleichbar.

Lexikon aktuell:

Tremor

Tremor kommt aus vom lateinischen Wort "tremere", das Zittern bedeutet. Vulkanologen bezeichnen kurze regelmäßige Beben vor einem Vulkanausbruch als Tremor. Als Ursache für diese Beben werden turbulente Bewegungen der aufsteigenden Magmasäule angesehen.

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