Krach durch Windparks im Meer?

- Friedrichskoog - Seegras können Seehunde zwar nicht wachsen hören. Aber ihre Ohren sind zehn Mal besser als die eines Menschen, sagt die Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig- Holstein, Tanja Rosenberger. Dort untersuchen Wissenschaftler das Hörvermögen der Tiere. Sie erforschen am Seehundbecken, ob Bau und Betrieb von Windkraftanlagen auf See die guten Ohren der Meeressäuger beeinträchtigen oder schädigen.

<P>"Wir wollen mit Hörtests herausfinden, wo der so genannte Disko-Effekt bei einem Seehund einsetzt, wo er also kurzzeitig nichts hört", sagt Rosenberger. "Das ist wie nach einem Disko-Besuch - oder wie bei starkem Baulärm."</P><P>Biologen vermuten, dass die Orientierung der Seehunde durch starken Baulärm beziehungsweise durch einen stärkeren Schiffs- und Hubschrauberverkehr zu den 30 bis 120 Kilometer vor der Küste geplanten Offshore-Windparks gestört werden könnte. Die Forscher wollen nun feststellen, welche Auswirkungen der Schall tatsächlich auf die Tiere hat. Dazu brauchen sie Erkenntnisse, in welchem Frequenzbereich die Seehunde wirklich hören.</P><P>Dabei nutzen die Wissenschaftler für ihre Untersuchungen Hörtests ähnlich wie bei Menschen. Zunächst müssen die Tiere jedoch an das Tragen von Kopfhörern und Sensoren gewöhnt werden. So trainiert Seehundmännchen "Lümmel" schon seit Juni, Elektroden an seinem Körper zu dulden und Kopfhörer über die Ohren gestülpt zu bekommen. Dabei ist das tägliche Training auf dem Prinzip der Belohnung aufgebaut. "Die Tests gehen durch den Magen", sagt Tanja Rosenberger. "Lümmel bekommt nur dann seinen leckeren Fisch, wenn er mitmacht."</P><P>In wenigen Tagen können die eigentlichen Untersuchungen beginnen. Dann wird Meeresbiologe Klaus Lucke von der Ruhr-Universität Bochum tausende Messungen vornehmen. Über hoch- und niederfrequente, leise und laute Klick-Geräusche will er das Hörvermögen von "Lümmel" testen. Aus den gleichzeitig gemessenen Hirnströmen soll später abgeleitet werden, was der Seehund überhaupt hört und wie gut. Außerdem wie er auf Geräusche und Lärm reagiert, und wann er Schaden nimmt.</P><P>"Die gewonnenen Daten dienen als Grundlage, um geplante Anlagen bewerten zu können", sagt Barbara Frank vom Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer im nordfriesischen Tönning. Dabei sind die Hörtests Teil des vom Amt koordinierten Forschungsprojekts "Minos" (Marine Warmblüter in Nord- und Ostsee). Die Tests müssen bis Februar kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann läuft das vom Bundesumweltministerium finanzierte zweijährige Projekt aus.</P>

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