Küchenreste aus Luthers Elternhaus

- Der Reformator Martin Luther (1483 bis 1546) stammte aus einer wohlhabenden Familie. Sein Vater Hans Luther, ein Bauernsohn, war 1484, kurz nach Luthers Geburt, von Eisleben nach Mansfeld gezogen, wo er Geld durch Beteiligungen im Kupferbergbau machte. Wie gut ihm dies gelang, belegen Ausgrabungen unter dem Haus, das die Luthers seit 1491 bewohnten.

<P>Es lag gegenüber dem Gasthof "Goldener Ring". Sechs Jahre lebte der kleine Martin dort mit seiner Familie. Im Jahre 1805 war es abgerissen worden. Bei Ausgrabungen des Landesamtes für Archäologie in Sachsen-Anhalt fand man nun unter anderem spätmittelalterliche Keramik, Kochtöpfe und Krüge. </P><P>Es sind aber vor allem die üppigen Küchenreste in einer Abfallgrube, die Forschern spektakuläre Einblicke in das Leben der Luthers ermöglichen.  Die Speisereste geben nicht nur über die Ernährungsgewohnheiten der Familie Aufschluss, sie beweisen auch, dass Luthers Vater reich war. </P><P>Ein großer Teil der Küchenabfälle sind Tierknochen, die belegen, dass man es sich im Haus Luther gut gehen ließ: Schweinefleisch, viel Geflügel und Fisch, gelegentlich Wildvögel standen auf dem Speiseplan. Unter den Resten von Schweinen überwiegen Stücke von Jungtieren, deren Fleisch besonders zart und daher sehr begehrt war. Auffällig ist der hohe Anteil an Geflügelknochen, vor allem von Gänsen, Hühnern und Tauben.<BR><BR>Auch Murmeln, Schellen und aus Gänseknochen gefertigte Pfeile, mit denen der kleine Luther vermutlich gespielt hat, lassen eine wohlhabende Familie erkennen. <BR><BR> Zudem fanden sich bei den Ausgrabungen auch Fragmente von Butzenscheiben, die die Fenster des Luther-Hauses vermutlich einmal zierten. Diese Funde sind laut den Archäologen ebenfalls ein Zeichen des Reichtums. <BR>In einer durch Hunger und Entsagung geprägten Gesellschaft kurz vor den Bauernkriegen war der Luxus einer Fensterverglasung nur einer kleinen, privilegierten Schicht vorbehalten. Von besondererem Wert sind metallene Fundstücke, wie ein vollständig erhaltener Spatenschuh, Fingerhüte, Nadeln und mit Applikationen verzierte Gürtel und Holzkästchen. <BR><BR> Als Sensation bezeichnet Ausgräber Alfred Reichenberger den Fund von rund 170 Silbermünzen. Bei den meisten Münzen handele es sich um den sehr seltenen "Eislebener Hohlpfennig" des Grafen von Mansfeld aus der Zeit um 1500. Die Geldstücke lagen verstreut herum, nicht aufbewahrt in einem Gefäß. </P><P>Auf einem Exemplar, das in der Fachliteratur noch nicht beschrieben wurde, ist das Mansfelder Wappen spiegelverkehrt dargestellt, möglicherweise eine klassische Fälschung. Für die damalige Zeit kein unübliches Phänomen. Klagte doch 1481 der Rat von Eisleben über "mancherley eingeschoobene falsche Münze", mit der die Leute "schendlich betrogen worden". Die Grabungen sind noch nicht abgeschlossen. <BR></P>

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