Kunstblase mit Fernbedienung

- Wäre es nicht schön, wenn sich unsere volle Blase nicht mit unangenehmen Ziehen sondern mit leichtem Vibrationsalarm melden würde? So ein Unsinn? Vielleicht, aber für viele Menschen könnte dieses Signal in Verbindung mit einer künstlichen Blase ein Segen sein.

<P>Bisher erhalten Patienten, bei denen die Harnblase durch Krankheit oder Unfall komplett entfernt wurde, einen künstlichen Ausgang, der mit einem Urinbeutel inner- oder außerhalb des Körpers verbunden ist.</P><P>Der Ingenieur Helmut Wassermann, Professor am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Fachhochschule München, und der Chef der Urologie am Uniklinikum Lübeck, Professor Dieter Jocham, haben gera-<BR>  de die erste künstliche Blase mit Fernbedienung konstruiert, die Betroffenen helfen könnte. Für ihr Konzept erhielten der Ingenieur und der Arzt den Innovationspreis des Bundesforschungsministeriums bei der Medica 2002.</P><P>Schon früher gab es Versuche, die Blase künstlich nachzubilden, die aber scheiterten. Auch Wassermann und Jocham mussten bei einem ersten Modell Rückschläge einstecken.</P><P>Das neue, implantierbare Modell wird jetzt gerade an lebenden Schweinen getestet. Mit vielversprechenden Ergebnissen. Die Blase, die mit von außen wiederaufladbaren Batterien betrieben wird, hat drei zusammensteckbare Module unterschiedlicher Größe, denn Beckenbereich und Bauchraum unterscheiden sich je nach Körperbau des Menschen.</P><P>Als Material verwendet Wassermann die gewebeverträglichen Kunststoffe Polyurethan und Silikon. Zwei Einleitungen am oberen Ende des Kunstorgans werden an die Harnleiter "angeschlossen". Durch ein Anti-Flux-System wird es dem Träger sogar möglich sein, einen Kopfstand zu machen, ohne dass es zu einem Rückstau kommt. Der jeweilige "Füllstand" wird mit Ultraschall automatisch kontrolliert, bei einem bestimmten Druck gibt es Vibrationsalarm. Per Fernbedienung wird ein Ventil am unteren Ende der Blase geöffnet und die Pumpe in Gang gesetzt. "Es ist natürlich ein Sicherheitssystem eingebaut", erklärt Wassermann. "Bevor die Blase platzt, entleert sie sich von selbst." Bis zur Anwendung am Patienten werden noch etwa zwei Jahre vergehen, meinen Wassermann und Jocham. </P><P>Lexikon aktuell<BR>Harnblase<BR>Die Harnblase liegt hinter dem Schambein, geschützt durch Beckenknochen. Aus den Nieren transportieren die Harnleiter den Urin zur Blase, die gut einen halben Liter fasst. Verletzungen der Harnblase können bei einem Verkehrsunfall mit voller Blase oder einem Beckenbruch auftreten. Auch wegen eines Tumors kann es notwendig werden, die Blase operativ zu entfernen. <BR></P>

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