Lahme Technik dämpft Champagnerlaune bei O2

- München - O2 funkt dazwischen. Der Mobilfunkanbieter, Nummer vier am deutschen Markt, geht auf Distanz zu den großen Erwartungen an die neue Handy-Generation UMTS. Mit 5,5 Milliarden Euro wird die sündteure Lizenz zu rund zwei Dritteln abgeschrieben. Ähnlich hält es der Mutterkonzern. Das große Geschäft mit den neuen Geräten erwartet O2 gar erst in eineinhalb Jahren.

<P>"Es ist ein Stück weit Realität eingezogen", bekannte Rudolf Gröger, Deutschland-Chef von O2. Noch bei der Versteigerung der Lizenzen, die Milliarden in die Bundeskasse spülte, hätten die Unternehmen die Chancen zu positiv eingeschätzt. Die Technik werde kommen, aber wohl nur langsam. Erst 2004 zum Weihnachtsgeschäft erwartet Gröger einen massiven Absatz der neuen Handys.<BR><BR>Bisher seien nur ungenügend gestaltete und technisch mangelhafte Geräte bekannt. In einem Praxis- und Labortest des Magazins "connect" wurden die ersten UMTS-Handys NEC e606 und das in Österreich bereits erhältliche Siemens U10 für 577 bzw. 799 Euro (Preise mit Vertrag) geprüft. Die Ergebnisse waren vergleichsweise kläglich.<BR><BR>Auch die Netztechnik patzt. Die Übergabe zwischen den Funkzellen, vor allem zwischen dem bestehenden GSM- und dem künftigen UMTS-Netz, klappt laut O2 nur im Labor fehlerfrei. "Irgendwann im Herbst" will Gröger das eigene Netz (auch in München) freischalten. Dass sich UMTS dereinst durchsetzen wird, bezweifelt Gröger zumindest öffentlich nicht: "Wir sollten nicht aus der Champagnerlaune in die Suizidlaune kommen."<BR><BR>Zum wirtschaftlichen Suizid hat O2 wenig Anlass. Vor Steuern und Abschreibungen kletterte das Münchner Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 43 Millionen Euro Ebitda erstmals in die Gewinnzone. In "zwei Jahren oder so" will Gröger ein positives Ebit erreichen.<BR><BR>4,8 Millionen Kunden brachten 1,651 Milliarden Euro Umsatz. Im Schnitt vertelefonierte jeder Kunde 340 Euro und verschickte 250 SMS-Nachrichten. Mit Billig-Angeboten will O2 nicht mehr auf den Markt. Gröger will vor allem "die richtigen Kunden", also jene mit hohem Gesprächsaufkommen, an sich binden: "Die Branche hat in den vergangenen Jahren Köpfe gezählt. Das hat sich signifikant geändert."</P>

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