Die lange Reise der Steinbeile

- In Europa muss es schon im Neolithikum, vor 7000 Jahren, ein ausgedehntes Handelsnetz gegeben haben. Das konnten Mineralogen der Universität Würzburg zusammen mit Archäologen der Universität Tübingen nun anhand von Steinbeilen beweisen. Sie untersuchten die prähistorischen Werkzeuge, die sie an verschiedenen Orten überall in Deutschland, wie in Bonn, Kassel oder Bamberg, gefunden hatten, auf ihre mineralogische Zusammensetzung.

"Die neolithischen Steinkeile bestehen alle aus einem so genannten Aktinolith-Hornblende- Amphibolit. Diese Mineral- Mischung stellt einen äußerst seltenen Amphibolit- Typ dar", erklärt Ulrich Schüßler vom Institut für Mineralogie der Uni Würzburg. "Die einzige bekannte Lagerstätte für diesen Aktinolith-Hornblende-Amphibolit haben wir in Europa am Rande des Riesengebirges im heutigen Tschechien ausgemacht." Für den Archäologen Jörg Petrasch vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Tübingen liegt die Vermutung nahe: "Die Steinbeile müssen über zahlreiche einzelne Austauschschritte die große Entfernung von 400 bis 500 Kilometern bis nach Deutschland zurückgelegt haben."

Im Gegensatz zu Steinkeilen verwendeten die Menschen damals Werkzeuge wie Feuersteine, die sie meist in einem Umkreis von 100 bis 200 Kilometern vom Steinbruch abgebaut hatten. "Nur die Steinbeile haben eine so lange Reise zurückgelegt", sagt Petrasch. Steinbeile waren im Neolithikum die wichtigsten Werkzeuge. Mit ihnen wurden Bäume gefällt, Auseinandersetzungen ausgetragen oder Löcher gegraben. Charakteristisch für diese Zeit war das gekonnte Schleifen der Rohmaterialien. Zuvor hatte man die Werkzeuge nur grob behauen.

Amphibolite sind Gesteine, die aus Lava entstehen. Lava, die nach ihrem Erkalten wieder ins Erdinnere verfrachtet wird, wird über Jahrmillionen umgewandelt durch hohe Drücke und Temperaturen. Es entstehen Amphibolite. Warum nun gerade die Amphibolite aus dem Riesengebirge es bis nach Deutschland schafften, ist bislang noch ungeklärt. "Die Gesteine sind weder besonders widerstandsfähig, noch optisch auffällig", sagt Schüßler. Dass am Rande vom Riesengebirge wirklich die seltenen Amphibolite abgebaut wurden, haben tschechische Wissenschaftler bestätigt. Sie fanden dort alte Steinbrüche mit Abbauresten des Materials. "Das ist für uns ein weiterer Beweis für den vorgeschichtlichen Warenaustausch in Mitteleuropa", meint Petrasch.

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