Wir leben vom Wasser

- Zwei bis drei Liter Flüssigkeit sollte jeder Erwachsene täglich trinken, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Trotz vieler Warnungen von Ernährungsexperten über die Folgen zu geringer Flüssigkeitsaufnahme meinen viele Leute immer noch, es reiche, zu trinken, wenn man Durst hat. Ein Irrtum. Denn wenn Mund und Lippen trocken sind und Durst signalisieren, hat der Körper schon bis zu zehn Prozent Wasser verloren.

<P>Durst ist ein Gefühl, das dem tatsächlichen Zustand des Körpers fatalerweise hinterherhinkt und deshalb die Flüssigkeitsbilanz nur sehr grob regelt. Vor allem lässt das Durstgefühl mit dem Älterwerden nach. Deshalb kommt es immer wieder zu Fällen von lebensbedrohlicher Austrocknung (Exsikkose) bei alten Menschen.</P><P>In der Tierwelt wird getrunken, wenn Wasser in der Nähe ist. So hat es auch der Homo sapiens ursprünglich gehalten, bis er auf die Idee kam, an die Ritualisierung der Nahrungsaufnahme das Trinken zu koppeln: Kaffee zum Frühstück, Cola am Mittagstisch, Fünf-Uhr-Tee und Bier zum Abendbrot. Zudem hat die ständige Konzentration, die das moderne Leben uns aufzwingt, dazu geführt, dass selbst das Alarmsignal des Durstes nur noch schwach wahrgenommen wird. <BR><BR>Auf die Frage, was denn am besten zu trinken sei, haben Experten wie Jörg Häseler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Postdam-Rehbrücke eine einfache Antwort: Wasser. Auch das ist nicht verwunderlich, haben doch unsere Vorfahren über zwei Millionen Jahre ihre Flüssigkeitspegel mit Oberflächen- und Grundwasser aufrechtgehalten. </P><P>Kaffee, Tee und Alkohol entziehen dem Körper sogar Flüssigkeit, sie eignen sich also nicht als Durstlöscher. Säfte und Limonaden überschwemmen den Körper mit Zucker, zu dessen Verstoffwechselung auch Wasser notwendig wird. Wasser wird also selbst beim Trinken benötigt. </P><P>Wasser sorgt in den Körperzellen für den richtigen Druck. Ohne Wasser kann der Körper weder Nahrung noch sonstige Flüssigkeiten aufnehmen, er kann nicht entschlacken und nicht seine Temperatur regeln. Manche Ernährungsmediziner wollen sogar einen Zusammenhang zwischen Volkskrankheiten wie Diabetes, Sodbrennen, Übergewicht, Asthma, Verdauungsstörungen und sogar Depressionen sehen. Und aus gutem Grund war nicht nur der "Wasserdoktor", Pfarrer Sebastian Kneipp, überzeugt, dass so manche körperliche Beschwerden durch ausreichendes Trinken zu kurieren seien. Erwiesen ist zumindest, dass durch ausreichende Wasseraufnahme das Risiko von Nierensteinen und Blasenkrebs sinkt, dass die Aufmerksamkeit zunimmt, seelische Verstimmungen oder Gelenk- und Bandscheibenschmerzen abklingen und dass Übergewichtige abnehmen. Wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit erhält, wird das Blut dicker. Und damit werden Herz und Kreislauf stärker belastet.</P><P>Doch welches Wasser soll man trinken? Mineralwasser, Sauerstoffwasser, Energiewasser, Schüttelwasser, Wasser aus einer Umkehrosmoseanlagen? Normales Leitungswasser reicht, meint etwa der Freiburger Umweltmediziner Franz Daschner: "Leitungswasser ist das am strengsten überwachte Lebensmittel. Die Wasserwerke sind gesetzlich verpflichtet, einwandfreies Trinkwasser ins Haus zu liefern." Mineralwässer seien nicht selten massiv bakteriell verunreinigt, was auch für die in Büros und Supermärkten aufgestellten Trinkwasserspender gelte, in denen zum Beispiel das hessische Umweltministerium im letzten Jahr in einer Untersuchung sogar Stuhlkeime fand. Einige der Wasser-Cooler wurden dabei gar als Ekel erregend eingestuft. Den Beweis, dass Mineralwasser gesünder sei als Leitungswasser, blieben die Hersteller bis heute schuldig, meint Daschner. Dennoch boomt das Geschäft mit dem veredelten Flaschenwasser, so auch mit dem Sauerstoffwasser einiger Anbieter, mit dem ein zusätzliches Gesundheitsplus versprochen wird. Ein Versprechen allenfalls der Werbestrategen. Denn Sauerstoff wird nach wie vor über die Lunge aufgenommen, und das bisschen, das in den Flaschen drin steckt, hat man mit zwei bis vier Atemzügen mehr am Tag wieder aufgeholt. Ohnehin entweicht ein großer Anteil des unter hohem Druck in das Wasser eingebrachten Sauerstoffs bereits mit dem Öffnen der Flasche. Einziger positiver Effekt: Es trinken nun auch Menschen Wasser, die ansonsten zu wenig trinken. Regelmäßiges Trinken von Wasser ist gerade im Sommer wichtig, weil der Körper für seine Verdunstungs-Kühlung viel Flüssigkeit benötigt. Besonders Kinder und ältere Menschen sollten zum Trinken immer wieder ermuntert werden. <BR><BR>Lexikon aktuell<BR>Der menschliche Körper besteht normalerweise zu 50 bis 60 Prozent aus Wasser. Jenseits des 60. Lebensjahres sinkt das Gesamtkörperwasser dann um rund fünf Prozent. Das Wasser ist unterschiedlich verteilt. Ein Teil befindet sich innerhalb der Körperzellen, ein Teil außerhalb. Der Volumenanteil im Zellinneren und außerhalb wird in der Regel konstant gehalten. Mit Hilfe des Natriums wird die Regulation des extrazellulären und des intrazellulären Flüssigkeitsvolumens aufrecht erhalten. Die Wassermenge ist also eng mit dem Salzgehalt des Körpers verbunden. Wasser wird im Dünndarmbereich aufgenommen, in der Leber gespeichert und dann den Nieren zugeführt. Diese regulieren mit Hilfe des antidiuretischen Hormons ADH, wie viel Wasser wieder ausgeschieden werden soll und wie viel im Körper bleibt.</P>

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