Leckerbissen für Allergiker

- In Europa leiden rund drei Prozent der Erwachsenen und etwa fünf Prozent aller Kinder unter einer Lebensmittelallergie. "Und diese Zahlen sind nur eine vorsichtige Abschätzung", betont Knut Brockow von der Dermatologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München.

Die Dermatologische Klinik unter der Leitung von Prof. Johannes Ring hat jetzt zusammen mit zwölf weiteren europäischen Forschungseinrichtungen die bislang umfangreichste Studie zum Thema Lebensmittelallergie durchgeführt.

40 000 Haushalte wurden befragt

Die Wissenschaftler befragten mehr als 40 000 Haushalte nach Essgewohnheiten und allergischen Reaktionen auf Lebensmittel. "Wir schätzen, dass in ganz Europa rund 17 Millionen Menschen in der Wahl ihrer Nahrungsmittel stark eingeschränkt sind", sagt Brockow.

Innerhalb Europas zeigten die neuen Untersuchungen erstaunliche Unterschiede bei Lebensmittelallergien. Während in Italien viele Menschen gegen Rindfleisch allergisch sind, fanden die Forscher in Nordeuropa eher Allergien auf Milchprodukte.

Die Wissenschaftler führen dies auf verschiedene Ernährungsweisen zurück. In Italien gibt man den Kleinkindern zum Beispiel viel ungekochtes Rindfleisch, gegen das einige dann allergische Reaktionen entwickeln, erklärt Brockow.

Eine Lebensmittelallergie muss man nicht von Kindheit an haben, sie könne sich auch mit der Zeit entwickeln, betont der Münchner Lebensmittelexperte. Jedoch könne sich eine solche Allergie im Alter auch verflüchtigen. Oft gäbe es Symptome, die darauf hindeuten, dass man das ein oder andere Produkt nicht vertrage, erklärt Brockow.

Aufmerksam sollte man werden, wenn man nach dem Verzehr einer Mahlzeit ein Kribbeln auf der Zunge verspürt. Bei anderen Allergikern bekommt die Haut Pusteln, als ob man eine Brennnessel berührt hätte. Schlimmere Symptome sind Übelkeit oder Atemnot. Sehr selten kommt es gleich zu einem lebensbedrohlichen Schock.

In ihrer Untersuchung hatten es sich die Wissenschaftler auch zum Ziel gesetzt, die allergische Wirkung von Lebensmitteln durch neue technologische Verfahren zu bestimmen und zu reduzieren. Dazu entwickelten sie neue Methoden wie der Polymerase-Kettenreaktion, immunologischen Schnelltests und Chips, die als Minilabors dienen. Sie können selbst geringste Mengen des allergieauslösenden Stoffs in Lebensmitteln nachweisen.

Neue Lebensmittel durch Enzymbehandlung

Mit Hilfe von Enzymen und Hitze spalteten die Forscher die Proteine der Inhaltsstoffe in den Lebensmitteln, die sie als Auslöser für die Allergien verantwortlich machen. Bei ihren Experimenten gelang es den Lebensmittelchemikern, bei einigen Produkten neue Abwandlungen zu entwickeln. Auch Allergiker können sie gefahrlos zu sich nehmen. Kinder, die zum Beispiel auf unbehandeltes Hühnerei allergisch reagierten, konnten die neu entwickelten allergenreduzierten Lebensmittel gefahrlos essen.

Noch kann man keines der Nahrungsprodukte, die die Wissenschaftler entwickelt haben, kaufen. Zuvor müssen noch zahlreiche weitere Tests auf Verträglichkeit durchgeführt werden. "Die ersten Ergebnisse lassen uns aber positiv in die Zukunft schauen, wenn wir auch die Lebensmittelhersteller gewinnen können", meint Brockow.

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