Ein Licht in der Dunkelheit

- Zuerst lässt die Sehfähigkeit in der Nacht nach. Das ist schon ein ernstes Alarmzeichen. Doch es kommt schlimmer. Allmählich engt sich das Gesichtsfeld immer mehr ein, ringförmig von außen her. Irgendwann bleibt nur noch ein Rest im Zentrum übrig (der Arzt spricht vom Tunnelblick).

<P>Rund 30 000 Menschen in Deutschland leiden an der "Retinitis pigmentosa (RP)", einer allmählichen Degeneration der Sinneszellen in der lichtempfindlichen Netzhaut, zunächst der Stäbchen.</P><P>Im späteren Verlauf dieser erblichen Krankheit gehen bei einem Teil der Betroffenen auch die für Kontrast- und Farbensehen verantwortlichen Netzhautzellen im Zentrum, die Zapfen, zugrunde: Im schlimmsten Fall erblinden die Erkrankten völlig.</P><P>Doch es gibt noch andere unheilbare Netzhauterkrankungen. Mehr als eine Millionen Bundesbürger leiden an der häufigsten, der Zerstörung des Netzhautzentrums, (der Makuladegeneration).</P><P>Um nicht alleine mit den zunehmenden Sehproblemen und anderen Folgen ihrer Netzhauterkrankung zu sein, gründeten 1977 Betroffene und Angehörige die "Deutsche Retinitis Pigmentosa-Vereinigung", die sich später in "Pro Retina" umbenannte. </P><P>Gegenwärtig hat der Verein 6000 Mitglieder, die sich auf 60 Regionalgruppen verteilen. 1983 gründete sich die Ortsgruppe München/Südbayern. Zum Jubiläum organisierte sie ein Symposium, um über die aktuelle Netzhautforschung zu informieren. "In den letzten zwanzig Jahren haben wir viel erreicht", betont der Ophthalmologe Eberhard Zrenner, der jahrelang die Münchner Ortsgruppe leitete und heute Direktor der Tübinger Uni-Augenklinik ist. "Vor allem in der Genetik gibt es große Fortschritte. Für zahlreiche vererbbare Netzhautkrankheiten ist inzwischen bekannt, welche defekte Veränderungen sie auslösen."</P><P>Ziel der Genforscher: Gesundes Erbgut einzuschleusen oder krankes zu blockieren. Einen ersten Erfolg erzielten Augenärzte mit einer Gentherapie bei einem Hund mit Retinitis pigmentosa. Dabei schleusten unschädlich gemachte Viren als "Fähren" ein gesundes Gen in eines der beiden kranken Augen des Hundes. Anschließend sah das vorher in der Dunkelheit blinde Tier auf diesem Auge besser als auf dem nicht behandelten. "Bis wir die Therapie aber erstmals bei Menschen einsetzen können, müssen noch mehr Langzeitergebnisse vorliegen", erklärt Dorothea Besch (Tübingen). </P><P>Zrenner entwickelt mit seinem Team einen Netzhautchip für RP-Patienten. Seine Hoffnung: Blinden Menschen wieder ein begrenztes Sehvermögen zu geben. Die erste klinische Pilot-Studie beginnt demnächst. </P><P>Nicht nur bei der Retinitis pigmentosa, auch bei der "Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD)" liegen neue Forschungsergebnisse vor.</P><P>Die schmerzlose AMD, an der vor allem Menschen jenseits des 50. Lebensjahres erkranken, betrifft den zentralen Teil der Netzhaut, die Makula, die für die Detailerkennung zuständig ist. Die Degeneration beginnt mit Löchern in der Isolierschicht zwischen Netz- und Aderhaut. Abbauprodukte schädigen langsam die in der Netzhautmitte liegenden Zellen. 85 Prozent der Patienten sind von dieser trockenen Form der AMD betroffen. </P><P>Etwa 15 Prozent der Kranken leiden an der feuchten Form der AMD. Bei ihnen zerstören zusätzlich aus der Aderhaut wuchernde Blutgefäße, aus denen Flüssigkeit austreten kann, das Netzhaut-Nervengewebe. Dadurch wächst der runde, blinde Bereich schneller als bei der andereren Form.</P><P>Der Ausfall kann so groß sein, dass bei normalem Leseabstand zwei, drei Wörter wie "weggewischt" sind. Es wird Betroffenen schwer, Gesichter zu erkennen oder zu lesen. Völlig blind werden sie nicht, da der Rand des Sehfeldes intakt bleibt.</P><P>Zu den Faktoren, die das Erkrankungsrisiko für AMD erhöhen, zählen Rauchen, Bluthochdruck und starke Sonnenstrahlung. Nach einer neuen Studie sind auch fettleibige Menschen gefährdet (nachzulesen in: Archives of Ophthalmology, 2003/121). </P><P>"In der Therapie der AMD hat sich einiges getan", sagt Günther Rudolph von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München: "Die so genannte Photodynamische Lichttherapie kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen - allerdings nur bei der feuchten Form." Die Methode sei weniger problematisch als die herkömmliche Lasertherapie, durch die der Flüssigkeitsaustritt versiegelt werden soll. Narbenbildung kann beim Lasern nämlich auch zur Sehverschlechterung führen.<BR>Für die trockene Makuladegenereration gibt es noch keine richtige Therapie. "Eventuell aber haben Mineralien und Vitamine einen positiven Effekt", so Rudolph.</P>

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