Licht vom Maßschneider

- München - Ob uns "elektronische Heinzelmännchen" im Alltag helfen, ob unser Auto lautlos und vibrationsfrei über die Straßen "schwebt" oder ob der Arzt sich drei- und vierdimensional virtuell durch eine Operation führen lässt _ alles das sind Innovationen, aus Sicht der Münchner Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) wirtschaftlich nutzbare Technologien, die auch den internationalen Markt interessieren werden.

<P>Es fehle der deutschen Wirtschaft derzeit an Produkten und Leistungen, die man international verkaufen könne, mahnte FhG-Präsident Hans-Jörg Bullinger bei der Vorstellung FhG-eigener Innovations-Leitbilder. "Die anderen sind so viel besser geworden", meinte Bullinger vor allem mit Blick nach Asien, "nun müssen auch wir deutlich besser werden."</P><P>Viele Zukunftsideen<BR>kurz vor Verwirklichung</P><P>Um mit Hilfe der eigenen Forscher die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands zu verbessern und den Lebensstandard zu sichern, hat die Fraunhofer-Gesellschaft zwölf Zukunftsfelder zusammengestellt, die die Wirtschaft in Deutschland beleben könnten. Bullinger, immerhin Präsident einer Forschungsgesellschaft, die ein Jahresbudget von weit über einer Milliarde Euro verwirtschaften kann und 12 000 Mitarbeiter beschäftigt, will mit anwendbarer Wissenschaft in die Zukunft investieren und dazu auch die Wirtschaft ermutigen: "Ich bin überzeugt, dass wir in unserer Gesellschaft etwas bewegen müssen." </P><P>Dass 2004 in Deutschland zum "Jahr der Technik" ausgerufen worden ist, kommt den Fraunhofer-Forschern gerade recht: In ihren Denkstuben und Labors wimmelt es von technischen Zukunftsideen, die bereits in oder kurz vor der Entwicklung stehen.<BR>Da kann die Computerindustrie sich auf Produkte der "Polytronik" konzentrieren, etwa auf (weit billigere) Chips aus Kunststoff und flexible integrierte Schaltungen mit Bauelementen aus aufdampfbaren organischen Molekülen gespannt sein. Leuchtdioden aus organischem Material, das heute schon in manchen Handys zu finden ist, sind der erste Schritt zu flexiblen, hauchdünnen Flachbildschirmen mit exzellenter Bildqualität und geringem Stromverbrauch.</P><P>Der Verbraucher wird sich vielleicht noch mehr auf die elektronischen Heinzelmännchen in seiner "intelligenten Umwelt" freuen. Die dienstbaren "Geister" sind in der (vernetzten) intelligenten Kleidung versteckt (die auf Temperatur, Feuchtigkeit, Bewegung und sogar Gefahren reagiert) oder im intelligenten Haus, in dem die Kaffeemaschine, der Kühlschrank, Heizung und Herd, der Fernseher und andere Gegenstände so miteinander vernetzt sind, dass die Bewohner beim Heimkommen von Hausarbeit nicht mehr belastet werden. Und wer ein Auto hat, der wird in Zukunft von da aus seinen Routenplan aus dem Internet laden können oder umgekehrt vom Schreibtisch aus den Ölstand seines Fahrzeugs prüfen können. </P><P>Zu den Leit-Innovationen in eine verbesserte High-Tech-Zukunft zählen auch die maßgeschneiderte, dezentrale und preiswertere Energieversorgung mit mobilen Energiespeichern oder tragbaren Brennstoffzellen. Maßgeschneidert ist künftig auch das Licht, schon jetzt gelingt es Wissenschaftlern, Photonen (Lichtenergieteilchen) nach Bedarf zu erzeugen und zu lenken. Die Beherrschung des Lichts bestimmt den Datenaustausch der Zukunft. </P><P>Hochinteressant in der künftigen Anwendung ist auch die Forschungsrichtung der "Adaptronik". Ihr Ziel sind (adaptive) Materialien, die auf Veränderungen in der Umwelt reagieren. Mit Prototypen solcher anpassungsfähiger Strukturen können zum Beispiel Schwingungen in Großmaschinen und der Lärm in Autos gedämpft werden. Von der EU wird ein Projekt "Intelligente Materialien für Aktive Lärmreduktion" mit 34 Millionen Euro bezuschusst. 42 Partner aus 13 Ländern arbeiten daran.</P><P>Überhaupt sind all die schönen Forschungsträume heutzutage nur fachübergreifend zu realisieren, und darauf setzen auch die Fraunhofer-Wissenschaftler. Keiner von ihnen erfindet heute allein in einem Kellerlabor frei agierende Roboter (Innovations-Bereich "Mensch-Maschine-Kooperation") oder die persönliche Pille, hergestellt nach dem genetischen Profil des Patienten (Bereich "Beschleunigte Medikamentenentwicklung").</P><P>Zusammenarbeiten müssen erfolgreiche anwendungsorientierte Forscher in Deutschland immer auch mit Hochschulen und mit der Industrie. In der Fraunhofer-Gesellschaft hat man sich darauf eingestellt.<BR></P>

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