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Lichtdurchflutetes Netzwerk mit Bad

- Gewöhnlich, nein, gewöhnlich ist an diesen Gebäuden nichts. Die Außengeländer etwa sind keine Geländer, sondern haushohe Stahlnetze; die Außenwände sind nicht einfach nur Wände, sondern schaufenstergroße Glasflächen. Ja, ungewöhnlich sind die beiden neuen Studentenwohnheime in Garching, und außergewöhnlich ist das Wohnkonzept: zwei Häuser für Individualisten, in denen auch WG-ler ein eigenes Bad und eine eigene Haustür haben und dennoch steht hier die Gemeinschaft buchstäblich im Mittelpunkt: die WG-ler treffen sich in der großzügig und modern eingerichtete Küche.

Ein heller Raum, rund neun Meter lang, in der Mitte steht der Herd, an dem sich gerade Simon Voigt zu schaffen macht. Der 23-jährige Maschinenbaustudent rührt eifrig in einem Kochtopf. Es gibt Eis mit heißen Himbeeren. Fast täglich kocht die Vierer-WG zusammen.

Durch die Glastüren scheint die Sonne herein, der Blick nach draußen geht durch Stahlseilnetze. "Das Design ist schon gewöhnungsbedürftig. Das Netz wirkt wie ein Baugitter", sagt Martin Hammerschmidt. Seit April wohnt der 21-jährige Mathematikstudent so wie die anderen in der neuen Wohnanlage. Und an sich findet er es "super" hier. Vor allem, dass jeder sein eigenes Bad hat, sei einfach perfekt.

Es klopft an der Tür, Kommilitonin Katharina Kreissig kommt herein. Eintreten, das kann man in diesen WGs von allen Seiten. Von der Küche aus geht es in die rund 14 Quadratmeter großen Zimmer, und dort hat jeder seine höchsteigene Haustür. "Einfach genial", findet das Simon Voigt. Ganz besonders genießt er auch die Helligkeit durch die riesigen Glasflächen.

An schönen Sommertagen wird es deshalb in den Räumen zwar ziemlich warm, doch das nimmt der 23-Jährige gerne in Kauf. "Bei dem super Blick", sagt er und schaut auf das nahe gelegene Feld. Die Stahlnetze vor seinen Augen, die nimmt er gar nicht mehr wahr.

Mittlerweile haben sich in der Küche einige Studenten versammelt und diskutieren mit. Zum Thema Infrastruktur in Garching haben sie alle nur ein müdes Lächeln übrig. "Welche Infrastruktur?", fragt Martin provokativ. "Tagsüber geht es ja noch einigermaßen, aber abends ist das hier ein Witz", sagt er, und alle nicken. Die letzte U-Bahn fährt kurz nach ein Uhr vom Marienplatz ab. Lange Partynächte in München sind also nicht drin.

Und sonst: Gleich gegenüber ist ein Großmarkt, "und man kann hier gut Eis essen gehen", sagt Borys Hagemann. Auf Partys legt der 22-jährige Physikstudent keinen übermäßigen Wert. "Ich studiere in erster Linie. Es muss sich die Waage halten." Außerdem ist Rettung nah: Im Gemeinschaftsraum wollen sich die Studenten eine Partyecke einrichten.

In München wollte jedenfalls keiner von ihnen wohnen. Martin etwa genießt es, länger schlafen zu können, in Sichtweite der Hörsäle. Für Simon Funke ist es auch ein Kostenfaktor: Der 21-jährige Informatikstudent spart sich damit die Bahnfahrt.

Zum Stahlnetz - übrigens auch bei den Garchingern durchaus umstritten - sagt er: "Am Anfang fand ich's total hässlich", doch nun sei er überzeugt, dass die Anlage "in drei, vier Jahren ganz toll aussehen wird". Warum? Weil die Netze Rankhilfe für Kletterpflanzen sind. Deren Blätter sollen in späteren Sommern Schatten spenden. Wie gesagt, ein ungewöhnliches Wohnkonzept.

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