Lößl blickt zurück: Sparzwänge gefährden das "Erfolgsmodell"

- Fast zwölf Jahre stand der evangelische Theologe Prof. Hans-Georg Lößl an der Spitze der Universität der Bundeswehr (UniBw). Bevor er 1994 sein Amt antrat, war Lößl Chef der Münchner Volkshochschule. Wir sprachen mit dem gebürtigen Pfälzer, der vergangene Woche 65 Jahre alt wurde, über seine Zeit an der UniBw.

Was war die größte Herausforderung in Ihrer Amtszeit?

Lößl: Personalkürzungen bei steigenden Studentenzahlen haben die ganze Amtszeit geprägt. Schon nach 14 Tagen im Amt musste ich freie Stellen streichen. Andererseits konnten für Renovierungen und Neubauten wie Forschungslabors und das Rechenzentrum 200 Millionen Euro aufgewendet werden.

Wie hat sich die finanzielle Lage entwickelt?

Lößl: Sie hat sich verschärft. Wir sind deutlich unterfinanziert. Schon für die 2500 planmäßigen Studienplätze dieses Jahr reichen die Personalmittel nicht. Wir haben aber 3000 Studenten. Außerdem brauchen wir wegen der dichteren Ausbildung drei Mal so viel Personal pro Student wie andere Unis. Noch mehr Personalabbau zerstört das Erfolgsmodell Bundeswehr-Universität.

Wie weit ist der Bologna-Prozess bei Ihnen?

Lößl: 2006 werden die ersten Studiengänge umgestellt. Dazu mussten sie erst neu nach Modulen gestaltet werden. Ein Bachelor muss laut Bologna drei Jahre dauern, der Master weitere eineinhalb. Wir müssen unsere kurze Regelstudienzeit von dreieinhalb Jahren in den Bologna-Prozess integrieren - die Truppe braucht ihre Offiziere danach schließlich wieder. Vorgesehen ist deshalb eine Verschränkung: Den Bachelor erwerben die Studenten nach drei Jahren. Parallel beginnen sie nach zwei Jahren mit Master-Modulen.

Was hat die Reform der Uni-Strukturen bewirkt?

Lößl: In enger Kooperation mit der TU München haben wir schon im Jahr 2000 viele Veränderungen eingeführt, die demnächst im neuen Bayerischen Hochschulgesetz stehen, etwa den Verwaltungsrat als oberstes Organ. Die Leitungsgremien haben nun mehr Macht und mehr Verantwortung. Dadurch ist überhaupt erst Kontrolle möglich. Bei geheimen Abstimmungen früher im Senat war doch die Verantwortung für Entscheidungen kaum mehr zuzuordnen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den anderen bayerischen Hochschulen entwickelt?

Lößl: Wir stehen in enger Kommunikation mit den Landes-Universitäten. Ich war einer derjenigen, die die Gründung der Universität Bayern mit vorangetrieben haben, um den Hochschulen eine stärkere Stimme zu verleihen. Gerade mit der LMU und der TUM gibt es viele Forschungskooperationen. Ich habe immer versucht, Forschungsschwerpunkte zu setzen, die nicht schon an TUM oder LMU vorhanden, sondern eine Ergänzung sind.

Seit drei Jahren studieren an der UniBw Zivilisten, derzeit 31. Wie sind Sie mit dieser Entwicklung zufrieden?

Lößl: Die zivilen Studenten schätzen die Arbeitsatmosphäre und die hohe Disziplin bei uns. Außerdem haben sie verblüfft festgestellt, dass die Bundeswehr-Studenten meist keinen Deut anders sind als sie selber. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass dieses Projekt ein Erfolgsmodell sein wird - auch wenn es zunächst schleppend angelaufen ist.

Bleiben Sie der Hochschule nach Ihrem Ausscheiden erhalten?

Lößl: Nein, es sieht nicht danach aus. Aber ich habe Anfragen für Lehrtätigkeiten an anderen Hochschulen, unter anderem in Bayern.

Das Gespräch führte Nicolas A. Zeitler

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