Luftbläschen verbessern Ultraschall-Diagnosen

- Mit einer qualifizierten Ausbildung, neuen Kontrastmitteln und guten Ultraschall-Geräten können Ärzte heute viele Krankheitsbefunde erheben, ohne die strahlenbelastenden Röntgen- und Computertomographieaufnahmen oder die teure Magnetresonanztomographie verwenden zu müssen. Das berichteten Experten bei einem internationalen Sonografie-Workshop in Gaschurn/Österreich.

<P>Neben technischen Verbesserungen des herkömmlichen Ultraschallbildes (Sonogramms) eröffnen Ultraschall-Signalverstärker, eine Art Kontrastmittel, dem untersuchenden Arzt neue Einblicke in den Körper.<BR><BR>Bei dieser Methode werden dem Patienten wenige Milliliter einer Lösung mit speziellen, sehr kleinen Luftbläschen (Microbubbles) in die Blutbahn gespritzt. Die geraten dann unter dem Einfluss der Ultraschall-Wellen zunächst in Schwingung, bei höherer Ultraschall-Energie zerplatzen sie. Beide Effekte lassen sich mit dem Schallkopf gut von außen beobachten und verwerten: Da das Kontrastmittel ausschließlich in den Blutgefäßen bleibt, wird so die Durchblutung verschiedener Organe, aber in vielen Fällen auch von Krebsgeschwülsten erkennbar. </P><P>Die Kosten einer derartigen Untersuchung liegen je nach Menge des eingesetzten Kontrastmittels bei durchschnittlich 100 Euro, die Ultraschallgeräte brauchen dafür einen bestimmten Schallmodus.<BR><BR>Professor Wolfram Wermke, Leiter der Ultraschall-Einheit der Charité am Standort Berlin-Mitte, hat bereits über 11 000 Patienten mit dem Microbubbles-Kontrastmittel untersucht und sich dabei vor allem auf die - per Ultraschall sehr gut zugängliche - Leber konzentriert.<BR><BR>"Gerade für die Unterscheidung von Lebertumoren ist die Kontrastmittelsonographie sehr hilfreich", betont er. <BR>So ergeben beispielsweise die harmlosen Blutschwämme (Hämangiome) eine typische Ultraschall-Kontrastmitteldarstellung. Auch können nun gutartige von bösartigen Leberherden durch den Verlauf der Kontrastmittel-Aufnahme meist hinreichend geklärt werden.<BR><BR>Zudem zeigt die signalverstärkte Sonographie oft unerwartete Tumorausdehnungen oder Tumorbezirke, die im herkömmlichen Ultraschallbild über- oder unterschätzt worden wären. </P><P>Früher lernten die Medizinstudenten, dass Luft der natürliche Feind des Ultraschalls ist und es dadurch unmöglich sei, die Lunge mit Ultraschall zu untersuchen. Dieses Wissen ist überholt.<BR><BR>Prof. Gebhard Mathis, Buchautor eines Lungen-Ultraschall-Standardwerks und Chefarzt des Krankenhauses Hohenems in Vorarlberg, weiß aus eigenen Untersuchungen, dass bei zahlreichen Krankheiten des Herzens oder auch bei Lungenkrebs Flüssigkeit in die Lunge gelangt. Auch bei Lungenentzündungen wird das Lungengewebe durchtränkt. Wird dann der Ultraschallkopf in den Räumen zwischen den Rippen angesetzt, lassen sich erkrankte Bereiche darstellen.</P><P>Auch im Kampf gegen die Lungenembolie zeichnet sich eine neue Chance ab. Über 70 Prozent aller Lungenembolien haben brustwandnahe Herde, die sich jetzt im Ultraschallbild sehr gut darstellen lassen. <BR>Dennoch gibt es Fragestellungen, bei denen Ultraschall nicht genügt: Bei der Suche nach Krebsherden in Kopf, Brustkorb, Bauchraum und Becken ist die Computertomographie Methode der ersten Wahl. <BR><BR>Lexikon aktuell: Ultraschall<BR><BR>Die Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) stellt verschiedene Körperregionen mit Hilfe von Ultraschallwellen bildlich dar. Die Schallwellen werden im Körper je nach Gewebeart absorbiert oder reflektiert. Der Schallkopf des Gerätes wirkt als Schallsender und Empfänger der reflektierten Schallwellen. Der Schallkopf enthält einen "piezo-elektrischen" (elektrisch durch Druck) Kristall. Dieser wird durch bestimmte Hochfrequenzen zur Aussendung von Ultraschallwellen angeregt. Der reflektierte Schall wird in elektrische Impulse verwandelt, verstärkt und am Monitor dargestellt. Weitere Techniken (Doppler- und Farb-Doppler-Sonographie) liefern zusätzliche auch Informationen über dynamische Strömungsrichtung, -geschwindigkeit und -stärke des Blutflusses in den Gefäßen.</P>

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