Machtkampf unter den Rektoren

- Ein personeller Eklat, kurz darauf die Forderung nach mehr Geld - die vergangene Sitzung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) verlief äußerst turbulent. Die Rektoren konkretisierten außerdem ihre Vorstellungen von Studiengebühren - und ernteten Kritik von Studenten, die Bernd Huber, Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), gut versteht.

Grund für den Rücktritt des seit 2003 amtierenden HRK-Präsidenten Peter Gaehtgens war ein Machtkampf mit seinen sieben Vizepräsidenten. Gegenüber dem Deutschlandradio sagte Gaehtgens: Es sei um den Vorwurf eines "zu dominanten Eindrucks nach innen und nach außen" gegangen. Insbesondere wollte Gaehtgens den Einfluss seiner Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel stärken - was seine Stellvertreter als Versuch einer Entmachtung werteten.

LMU-Rektor versteht Kritik der Studenten

Bis zu den turnusmäßigen Neuwahlen im Frühjahr 2006 nimmt Burkhard Rauhut, Rektor der Technischen Hochschule Aachen, die Amtsgeschäfte wahr. Wolfgang Herrmann, Präsident der Technischen Universität (TU), lobte Gaehtgens als "hervorragenden Präsidenten", der sich "frisch und unvoreingenommen" Herausforderungen gestellt habe.

Wie Gaehtgens begreift sich auch die TU als Vorreiterin in Sachen Studiengebühren. Die HRK kritisierte einige Bundesländer, darunter auch Bayern, weil sie Gebühren zwingend einführen wollen. Die Rektoren sähen die Entscheidung, ob und in welcher Höhe Beiträge erhoben werden, gerne bei den Hochschulen selbst. Ausnahmen für sozial schwächer gestellte Studenten sieht das HRK-Konzept nicht vor: Alle Studenten einer Hochschule sollen gleich viel zahlen, die Banken Kredite "zu gleichen Konditionen" anbieten.

Die Empfehlungen gingen "einseitig zu Lasten der Studierenden und ihrer Eltern", kritisiert das Deutsche Studentenwerk, das sich für ein höheres BAföG ausspricht. Das sehen viele Studenten genauso - und ernten Verständnis bei LMU-Rektor Huber Das Bildungssystem in der Bundesrepublik sei "extrem sozial diskriminierend". Das Ziel müsse sein, mehr jungen Menschen, auch aus unteren Schichten, ein Studium zu ermöglichen, so Huber.

Einig ist sich Huber mit seinen Kollegen aber in der Forderung nach mehr Geld. Im "Hochschulpakt 2020" argumentieren die Rektoren mit einem prognostizierten Anstieg der Studentenzahl um mehr als eine halbe Million bis 2014. Deshalb bräuchte es bundesweit 8000 zusätzliche Professoren-Stellen. Die von Bund und Ländern für den Hochschulbau bereitgestellten Mittel von 1,9 Milliarden Euro reichten nicht aus. Auch an der LMU sei vieles "auf Kante genäht", so Huber: 46 000 Studenten lernten an einer für 30 000 angelegten Universität.

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