Magenbakterium und Menschen bevölkerten die Erde gemeinsam

Erforscht: - London/Berlin - Der Mensch war bereits mit dem schädlichen Magenbakterium Helicobacter pylori infiziert, als er vor rund 60 000 Jahren von Afrika aus die Welt besiedelte. Das schließen Forscher aus einer Analyse der Erbanlagen von Mensch und Bakterium.

Die genetische Vielfalt des Bakteriums spiegele sich in jener des Menschen wider, berichtet ein internationales Forscherteam um Mark Achtman vom Max- Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin im Journal "Nature" (online vorab veröffentlicht).

Mehr als die Hälfte aller Menschen sind mit dem Keim Helicobacter pylori infiziert. Ärzte schätzen, dass 90 Prozent aller Magengeschwüre auf dieses Bakterium zurückgehen. Die Wissenschaftler um Achtman verglichen Varianten in der Erbsubstanz des Menschen sowie des Bakteriums und fanden dabei Hinweise für eine parallele Evolution der beiden. So wie sich der Mensch in regionale Untergruppen aufteilt, hat auch Helicobacter verschiedene Untertypen.

Die Wissenschaftler nutzten bei ihrer Analyse das Prinzip "Isolation durch Abstand": Demnach unterscheiden sich einzelne Gruppen von Menschen um so stärker, je weiter sie voneinander entfernt leben und je mehr Zeit seit der Trennung ihrer Gruppen vergangen ist. Dies gilt auch für andere Lebewesen - etwa die mit dem Menschen verbreiteten Bakterien.

Genetische Spuren dieser zurückliegenden Völkerwanderung fanden die Forscher auch im Erbgut von Helicobacter. Weil der Erreger eine größere genetische Vielfalt besitzt als der Mensch, erhoffen sich die Autoren aus den Daten des Keims auf die Wanderungsbewegung des Menschen schließen zu können. So zeigen Gene von europäischen Bakterien Einflüsse aus Zentralasien, was ein Hinweis auf menschliche Einwanderer aus Asien in Europa wäre, erklären die Forscher.

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