Manager der Datenflut

- Der gemeinsame Studiengang "Bioinformatik" der Technischen Universität (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hat seine ersten 14 Absolventen verabschiedet. Einer von ihnen ist Fabian Birzele, der im Jahr 2000 seine Ausbildung angefangen hat.

"Aufmerksam geworden bin ich damals auf das neue Angebot über die Internetseite www.bioinformatik-muenchen.de", erzählt Birzele. "Als wir damals mit dem Studium begonnen haben, war die Biotechnologie gerade eine der großen Wachstumsbranchen in Deutschland", erinnert er sich. Kurz darauf kam der große Biotechnologie-Börsencrash, bei dem viele Unternehmen pleite gingen. Doch die Zukunftsperspektiven sind für die jungen Bioinformatiker wieder aussichtsreich. Denn die Datenflut in der Biologie, der Chemie oder der Pharmazie wächst ungebremst. "Alleine in den letzten fünf Jahren ist zum Beispiel das Genom von etwa 200 Lebewesen entschlüsselt worden. Das ist eine riesige Menge an digitalen Informationen, die verarbeitet und interpretiert werden muss", erklärt Birzele. "Zudem werden immer mehr Lebensvorgänge am Computer simuliert", sagt er, "denn die Modellierung am Rechner ist kostengünstiger als Labor-Experimente."Wer in München Bioinformatik studieren will, der muss damit rechnen, von Institut zu Institut zu pendeln. "Ich war viel unterwegs", erzählt Birzele,"ich habe Kurse in Pharmazie und Chemie in Großhadern besucht, genauso wie ich oft nach Garching gefahren bin, um Informatik- und Mathematik-Seminare zu belegen." Der 26-Jährige hat jetzt sein Diplom in der Tasche. Bioinformatik kann man aber auch mit einem Bachelor oder einem Master abschließen. Der Diplomstudiengang wird voraussichtlich in den nächsten Jahren abgeschafft. "Da wir die ersten Studenten in einem völlig neuen Fach waren, konnten wir unseren Professoren auch Vorschläge machen, was wir gerne lernen wollen", sagt Birzele. Der Standort München bietet nun für die neuen Absolventen ein breites Berufsfeld. Dabei sind es weniger Biotech-Firmen, die Jobs anbieten, als Forschungseinrichtungen, die Arbeitsplätze geschaffen haben. Zum Beispiel haben TUM und LMU gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Biochemie und dem Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) ein Netzwerk "Bioinformatics Munich" (BIM) gegründet."Gute Absolventen der Bioinformatik haben hier Chancen schnell einen Job zu finden", erklärt Professor Hans-Werner Mewes, der Leiter des Instituts für Bioinformatik des GSF in Neuherberg.Fabian Birzele ist nun Doktorand an der LMU. Ob er sich danach einen Job in der Wirtschaft suchen wird, oder doch an der Uni bleiben will, steht noch in den Sternen. "Die Möglichkeiten sind vielseitig", sagt der 26-Jährige.

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