Marsrover "Opportunity" sicher gelandet

- Washington/Pasadena - Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt sind zwei Landeroboter auf dem Mars aktiv. Drei Wochen nach dem Rover "Spirit" landete sein Zwilling "Opportunity" auf der entgegengesetzten Seite des Roten Planeten und sandte schon Stunden später spektakuläre Bilder.

"Das ist anders als alles, was ich vom Mars bisher gesehen habe", jubelte ein NASA-Wissenschaftler. Nach einer sieben Monate langen Reise war der durch Prallsäcke geschützte Roboter am Sonntag um 6.05 Uhr (MEZ) in der Meridiani-Tiefebene aufgeschlagen, wo er in den nächsten Wochen nach Wasser und Spuren von Leben suchen. <P>Die noch mit geringer Auflösung aufgenommenen Bilder zeigten die Landehülle des Roboters vor dem Hintergrund der fremden Marslandschaft. Auf einigen Bildern sind helle Felsen im Hintergrund zu erkennen. Die Landschaft wirkt auf diesen ersten Bildern sanfter als auf der anderen Seite des Planeten. Die Wissenschaftler hatten mit besonderer Spannung auf die Bilder gewartet, weil von dieser Seite des Roten Planeten noch keine Aufnahmen von der Oberfläche existierten.</P><P>Im Kontrollraum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, wo auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger alle Phasen der Landung über die ersten schwachen Tonsignale des Rovers verfolgte, herrschte nach dem zweiten Erfolg innerhalb von drei Wochen ausgelasse Stimmung. Als das Signal von der sicheren Landung des Rover eintraf, brach lauter Jubel im Kontrollraum aus. NASA-Chef Sean O'Keefe schenkte bei der ersten Pressekonferenz nach der Landung seinem Erfolgsteam Champagner aus.</P><P>O'Keefe, der kürzlich zusammen mit Präsident George W. Bush als Ziel der amerikanischen Raumfahrt die Rückkehr zum Mond und eine bemannte Marsmission abgesteckt hatte, freute sich sichtlich über den Erfolg, der nach Ansicht von Experten den US-Plänen Auftrieb geben wird. Er sprach von einem Beispiel dafür, dass die NASA Großes erreichen könne, wenn sie alle ihre Energie bündele.</P><P>NASA-Chefwissenschaftler Ed Weiler sagte in Anspielung an "Spirit", der nach mehrtägigen technischen Problemen Anzeichen der Genesung zeigt: "Wir haben einen Rover wieder belebt und die Geburt eines anderen Rover gesehen." Projektmanager Pete Theisinger sprach von einem "großen Tag".</P><P>Für Theisinger und seine Kollegen hatte die Welt zwei Tage zuvor noch ganz anders ausgesehen. "Spirit" wurde als schwer krank eingestuft und "Opportunity" stand vor dem gefährlichsten Teil der Reise zum Mars, der mit seinen harschen Bedingungen in der Vergangenheit zwei von drei Missionen zum Scheitern gebracht hatte. Auch das europäische Marslandegerät "Beagle 2" bleibt verschollen.</P><P>In der Tiefebene soll der 1,5 Meter hohe Rover, der mit Panoramakameras und deutschen Spektrometern zur Gesteinsanalyse ausgestattet ist, unter anderem nach Roteisenerz (Hämatit) suchen, das sich oft in Gegenwart von Wasser bildet. Das graue Gestein war 1998 von der Sonde "Mars Global Surveyor" entdeckt worden. Hämatit kann sich nach Angaben der Wissenschaftlerin Joy Crisp durch vulkanische Aktivitäten oder mit Hilfe von Wasser bilden. "Opportunity" soll diese Frage nun klären.</P><P>Die Wissenschaftler wussten bereits vor der Landung, dass die Landschaft ganz anders sein würde als im Gusev-Krater, von dem "Spirit" Farbbilder in beeindruckender Schärfe geschickt hatte, bevor die Kommunikation wegen eines technischen Problems gestört wurde. Kurz vor der Landung "Opportunitys" konnten die Wissenschaftler aber mit "Spirit" wieder kommunizieren und einen Grund für die technischen Probleme diagnostizieren.</P><P>Das Problem liege vermutlich an dem auch in Digitalkameras und anderen elektronischen Geräten verwendeten "flash memory" des Rover-Rechners, der seit vergangenem Mittwoch immer wieder einfror und dann neu startete. Nachdem der Rover den Befehl erhalten hatte, beim Neustart ein anderes Speichermodul zu verwenden, habe alles viel besser geklappt, hieß es bei der NASA. Der Rover habe anschließend auch endlich wieder den Befehl befolgt, in den Ruhemodus zu gehen, um Energie zu sparen.</P>

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