Forscher warnt vor Facebook

Köln - Der gesellschaftliche Konsens über die Wichtigkeit von Datenschutz ist nach Meinung des Medienrechtlers Bernd Holznagel durch den Siegeszug der sozialen Netzwerke weggebrochen.

Vor allem junge Leute legten kaum noch Wert auf einen Schutz der Privatsphäre, sagte der Professor am Mittwoch beim Medienforum NRW in Köln. Unbekümmert besprächen sie auf Facebook privateste Dinge und stellten dort kompromittierende Fotos ein. “Ich sehe das bei meinen Studenten“, sagte er. “Sie begreifen das alles als rein privates Medium. Die haben gar kein Problembewusstsein dafür.“

Eine Sprecherin des US-Unternehmens widersprach der These von Holznagel: “Facebook ist es wichtig, dass jeder Nutzer selbst bestimmen kann, welche Informationen er mit wem teilen möchte. Dafür bieten wir umfangreiche Privatsphäre-Einstellungen.“ Gerade die “jungen Leute“ nutzten sehr gezielt die Möglichkeiten der Privatsphäre-Einstellungen, erklärte die Facebook-Sprecherin.
Holznagel dagegen machte in dieser Altersgruppe ein “ausgeprägtes Selbstdarstellungsbedürfnis“ aus. “Das ist eine Generation, die sich gerne selbst darstellt - und die auch gerne quatscht. Die verquatschen einfach unheimlich viel ihrer Lebenszeit“, sagte Holznagel der Nachrichtenagentur dpa. Der Direktor des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht in Münster kritisierte, dass Facebook das in der deutschen Gesetzgebung festgeschriebene Recht auf informationelle Selbstbestimmung ignoriere. Heute sei noch gar nicht abzusehen, für welche gewerblichen Zwecke die sozialen Netzwerke die Daten ihrer Nutzer in Zukunft noch verwenden würden.

Holznagel empfahl, sich deshalb zumindest in der anfänglichen Phase der Unerfahrenheit nur unter falschem Namen und mit falschen Bildern bei Facebook anzumelden. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, bezeichnete Holznagels Warnung dagegen als “Ruf in der Wüste“. “Ich stelle fest, dass diese Kenntnis, mit welchen Gefahren das Ganze verbunden ist, weiter verbreitet ist als befürchtet“, sagte Schaar.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple räumt Probleme mit Macbook-Tastaturen ein - kostenfreie Reparatur angeboten
Apple hat eingeräumt, dass es mit Tastaturen der neueren Macbook-Laptops Probleme gibt. Das US-amerikanische Technologieunternehmen reagiert mit kostenloser Reparatur.
Apple räumt Probleme mit Macbook-Tastaturen ein - kostenfreie Reparatur angeboten
Google schickt in Deutschland wieder Kamera-Autos auf die Straßen - das ist der Grund
Die Kamera-Autos von Google sind wieder auf den Straßen in Deutschland unterwegs - allerdings nicht, um ihr Bild-Material für den Online-Dienst Street View zu verwenden.
Google schickt in Deutschland wieder Kamera-Autos auf die Straßen - das ist der Grund
YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln
YouTube und Instagram verschärfen ihren Konkurrenzkampf um Anbieter von Videoinhalten. Bei der Google-Videoplattform werden sie künftig auch Geld mit kostenpflichtigen …
YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln
Google bringt eigene Podcast-App für Android
Podcasts erreichen immer mehr Zuhörer. Google schließt sich mit einer eigenen Android-App dem Boom an und will mit der Empfehlung von Inhalten auf Basis der …
Google bringt eigene Podcast-App für Android

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.