Mediziner-Mangel droht

- Berlin - Dem deutschen Gesundheitswesen droht nach Einschätzung von Kammern und Verbänden ein dramatischer Ärztemangel. Überlange Arbeitszeiten, schlechte Entlohnung und eine ausufernde Bürokratie machten den Arztberuf für junge Menschen immer unattraktiver, warnten der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, und der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, bei der Vorstellung einer Studie am Dienstag in Berlin.

Mediziner, die in den Ruhestand gingen, würden nicht in ausreichender Zahl ersetzt. Besonders gravierend sei die Lage in den neuen Bundesländern.

"Wir entfernen uns Tag für Tag mehr von dem Anspruch, eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung für alle Menschen in diesem Land bereitzustellen", sagte Hoppe. Nur durch die Zuwanderung ausländischer Ärzte, insbesondere aus Mittel- und Osteuropa, könne das Niveau der stationären Versorgung im Osten Deutschlands noch aufrechterhalten werden. Umgekehrt suchten deutsche Ärzte Arbeit in Großbritannien oder Skandinavien, weil sie dort besser bezahlt würden. Köhler forderte, ärztliche Leistung müsse angemessen vergütet werden. Außerdem müssten die Ärzte von Bürokratiepflichten befreit werden.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (mb) nannte in einer Stellungnahme als Hauptursache des zunehmenden Ärztemangels die chronisch schlechten Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern. "Die Arbeitssituation für Ärzte erinnert eher an preußische Feldlazarette als an moderne Krankenhäuser des 21. Jahrhunderts", sagte der Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery. Marathon-Dienste von 30 Stunden am Stück, jährlich 50 Millionen unvergütete Überstunden und Gehälter auf dem Niveau von Schwellenländern wirkten beim Ärztemangel als Brandbeschleuniger.

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