Medizin-Nobelpreis

- Stockholm (dpa) - Für die Erforschung der Organentwicklung und des programmierten Zelltods erhalten die Briten Sydney Brenner (75) und John Sulston (60) sowie der US-Forscher Robert Horvitz (55) den Medizin-Nobelpreis. Das teilte das Karolinska Institut am Montag in Stockholm mit. Das Wissen um Tod und Entwicklung von Zellen ist ein Grundstein für das Verständnis von Krebs und anderen Krankheiten.

Der geregelte Tod von Zellen (Apoptose) ist eine Grundvoraussetzung für das Leben. Er stellt sicher, dass sich überzählige oder geschädigte Zellen selbst töten, bevor sie im Organismus Unheil anrichten. Gerät diese Kontrolle aus den Fugen, können sich Zellen unentwegt teilen. Krebs und andere Krankheiten sind oft die Folge. <P>Die Ergebnisse der drei Preisträger sind daher von grundlegender Bedeutung für die Medizin, wie das Institut in seiner Begründung erklärte. Sie seien wichtig für die Entwicklung von Arzneimitteln, die den Zelltod je nach Bedarf verhindern oder hervorrufen können.</P><P>Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten steht der winzige, nur einen Millimeter lange Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Dieses sehr einfache Tier besteht aus nur 959 Körperzellen. Aufgabe und Entstehung jeder einzelnen davon sind bekannt. Damit haben die Forscher einen leicht zu verstehenden Modellorganismus gefunden, an dem sich alle Vorgänge studieren lassen - auch der kontrollierte Zelltod. Dies ist vor allem das Verdienst des in Südafrika geborenen Briten Sydney Brenner. Er forscht heute am kalifornischen Molecular Science Institute in Berkeley (USA).</P><P>Der Fadenwurm stieg binnen kurzer Zeit zu einem der meist genutzten Labortiere auf. "Die Wurm-Community hat inzwischen mehr Forscher, als der Wurm Zellen hat: Etwa 1500 Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Tausendzeller", sagte Ralf Sommer, einer der Direktoren am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen.</P><P>Der Brite John Sulston stellte den Stammbaum auf, der die Herkunft jeder einzelnen Zelle des Wurmes beschreibt. Er zeigte außerdem, dass der Tod einiger Zellen zum normalen Entwicklungsprogramm des Tieres gehört. Das passiert auch beim Menschen: Seine Hände zum Beispiel werden zunächst als eine Art Paddel angelegt. Die Zellen zwischen den Fingern sterben später während der Entwicklung des Embryos im Mutterleib. Sulston erkannte außerdem die erste Mutation in einem Gen, das an der Kontrolle der Apoptose beteiligt ist. Sulston arbeitet beim britischen Wellcome Trust in Cambridge (Großbritannien).</P><P>Sein Mitarbeiter Robert Horvitz erhält die höchste wissenschaftliche Auszeichnung für die Entdeckung der Erbanlagen, die den Zelltod steuern. Er beschrieb zudem, wie diese Gene zusammenarbeiten - und fand, dass es sie auch beim Menschen gibt. Horvitz forscht am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im US- amerikanischen Cambridge. Längst hat sich die Apoptose zu einer eigenen Fachrichtung ausgewachsen.</P><P>Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert. Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), überreicht. Den ersten Medizin-Nobelpreis erhielt 1901 der deutsche Impfstoff-Pionier Emil Adolph von Behring insbesondere für seine Arbeiten zur Bekämpfung der Diphtherie.</P><P>- Porträt: Robert Horvitz<BR>- Porträt: Sir John Sulston<BR>- Porträt: Sydney Brenner<BR>- Zellsterben ist lebensnotwendig: Der geregelte Zelltod<BR>- Stichwort: Fadenwurm</P><P>Informationen zu den Nobelpreisen: www.nobel.se </P> 

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