Mehr Kontrolle für Facebook-Nutzer

München - Facebook ist so beliebt, dass Verweigerer fast schon schräg angesehen werden. Datenschützer kritisieren indes den Umgang mit persönlichen Informationen. Jetzt gibt es mehr Kontrolle für die Nutzer.

Melanie hat heute keine Lust auf ihre Arbeit. „Es ist einer dieser Tage, an dem Du nichts hinbekommst“, lässt sie über eine Statusmeldung beim Sozialen Netzwerk Facebook wissen. Aber sie weiß Abhilfe: „Wenn der Chef vorbeikommt, tust Du so, als hättest Du viel zu tun.“ Was die Amerikanerin vergessen hat: Ihr Boss kann mitlesen – und die ganze Welt ebenso. Statusmeldungen sind virtuelle Klowand und Bühne zur Selbstdarstellung zugleich. Doch was sich oft nur an Freunde oder Verwandte richtet, gerät schnell an eine größere Öffentlichkeit.

Datenschützer kritisieren den Kontrollverlust der Nutzer über ihre Daten bei Facebook – das Unternehmen reagiert jetzt und will seinen Nutzern mehr Kontrolle über ihre Informationen geben. Das Online-Portal, das Mark Zuckerberg vor sechs Jahren mit seinen Studienkumpeln Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes an der Harvard University 2004 gegründet hatte, ist zum Massenphänomen geworden.

Erst kürzlich startete der Film „The Social Network“ über den Firmengründer und sein Werk. Facebook beziffert die Mitgliederzahl auf eine halbe Milliarde, in Deutschland sind es elf Millionen. Kaum ein Freundeskreis, schon gar keine Initiative kommt ohne Web-Präsenz bei Facebook aus.

Auch die Gegner von Stuttgart 21 treffen sich regelmäßig virtuell, um Argumente auszutauschen und Demos abzusprechen. Allerdings hatte das Unternehmen auch schon einen Skandal: Ein ITExperte hat Daten aus 100 Millionen Profilen gesammelt und zum Herunterladen angeboten. Die Daten waren frei zugänglich – dennoch sah der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar „erhebliche Missbrauchspotentiale“; Politiker und Nutzer hatten Facebook immer wieder wegen des Umgangs mit der Privatsphäre kritisiert.

Dem sollen jetzt neue Kontroll-Mechanismen für die Nutzer entgegenwirken: Unter anderem können sie künftig den Inhalt des Facebook-Profils auf den eigenen Computer herunterladen. Auch erlaubt das Unternehmen nun, private Bereiche einzurichten. Künftig gibt es – zusätzlich zu den offenen – geschlossene Gruppen, denen Nutzer nur mit Zustimmung beitreten können. Zudem bekommen Facebook-Mitglieder einen besseren Überblick, auf welche ihrer Informationen zugegriffen werden kann.

Zuckerberg selbst räumte ein: „Ich würde etwas ja online mit anderen teilen, aber ich möchte das nicht gleich 250 Leuten zeigen. Oder meiner Oma. Oder meinem Chef.“ Facebook betonte jetzt bei der Einführung des Dienstes „Places“ ausdrücklich, dass Nutzer die Kontrolle haben. Hier können Nutzer per Handy Freunden und Bekannten ihren Aufenthaltsort mitteilen, sie werden auf einer Karte sichtbar. Facebook betont dazu, Places sei „kein Ortungsdienst und Facebook erstellt keine Bewegungsprofile der Nutzer“. Zuletzt gab es heftige Reaktionen auf Googles Straßenatlas Street View, aus dem zehntausende Bürger Bilder ihrer Häuser entfernt haben wollten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple räumt Probleme mit Macbook-Tastaturen ein - kostenfreie Reparatur angeboten
Apple hat eingeräumt, dass es mit Tastaturen der neueren Macbook-Laptops Probleme gibt. Das US-amerikanische Technologieunternehmen reagiert mit kostenloser Reparatur.
Apple räumt Probleme mit Macbook-Tastaturen ein - kostenfreie Reparatur angeboten
Google schickt in Deutschland wieder Kamera-Autos auf die Straßen - das ist der Grund
Die Kamera-Autos von Google sind wieder auf den Straßen in Deutschland unterwegs - allerdings nicht, um ihr Bild-Material für den Online-Dienst Street View zu verwenden.
Google schickt in Deutschland wieder Kamera-Autos auf die Straßen - das ist der Grund
YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln
YouTube und Instagram verschärfen ihren Konkurrenzkampf um Anbieter von Videoinhalten. Bei der Google-Videoplattform werden sie künftig auch Geld mit kostenpflichtigen …
YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln
Google bringt eigene Podcast-App für Android
Podcasts erreichen immer mehr Zuhörer. Google schließt sich mit einer eigenen Android-App dem Boom an und will mit der Empfehlung von Inhalten auf Basis der …
Google bringt eigene Podcast-App für Android

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.