Mehr Schlagkraft für die Abwehr

- Wenn der erste Herbstfrost in die Glieder dringt, muss die Abwehr des Körpers einen harten Kampf bestehen. Öfter als in Sommertagen unterliegt seine Gesundheitspolizei, das Immunsystem, für kurze Zeit krank machenden Viren und Bakterien. Die Folge sind Erkältungen und Grippe-Erkrankungen. Doch jeder kann vorbeugen: Abhärtung und die richtige Ernährung halten das Immunsystem fit.

Warum erkälten wir uns im Winter?

"Erkältungserreger gibt es auch im Sommer", sagt Dr. Dieter Hoffmann, Assistenzarzt am Institut für Virologie der TU München. Warum Viren, die Schnupfen, Husten oder Grippe auslösen, unserem Körper gerade zur kalten Jahreszeit zu schaffen machen, darüber gibt es verschiedene Theorien: Eine Rolle spielt offenbar der Ansteckungsweg. Die Erreger stecken vor allem in den feinen Wassertropfen der Atemluft. Sind viele Menschen in einem Raum, zum Beispiel im Büro oder in der U-Bahn, haben es die Viren leichter, sich auf diesem Weg zu verbreiten. Hinzu kommt die trockene Raumluft. Untersuchungen zeigen, dass sich die feinen Tröpfchen hier viel schneller ausbreiten. "Da reicht es schon, wenn jemand in der anderen Ecke eines Zimmers niest", sagt Hoffmann. Er empfiehlt daher Luftbefeuchter.

Diese helfen auch gegen trockene Schleimhäute. Sie wirken ebenfalls bei der Immunabwehr mit und sollten immer feucht gehalten werden. Hoffmann empfiehlt daher empfindlichen Menschen, zusätzlich eine Salzlösung zu schnupfen.

Macht Kälte krank?

Auch durch die Kälte haben Viren im Winter bessere Chancen, sich im Körper zu vermehren. Studien haben gezeigt: Kälte kann tatsächlich zu Erkältungen führen. Wenn wir frösteln, ziehen sich die Blutgefäße zusammen, auch in der Nase. Die wichtigsten Abwehrtruppen des Körpers, die weißen Blutkörperchen, haben es dann schwerer, dorthin zu kommen, wo die Viren in den Körper dringen. Das verschafft den Krankheitserregern einen Vorteil.

Wie funktioniert unser Immunsystem?

Um Eindringlinge wie Viren, Bakterien und Pilze zu bekämpfen, hat der Körper eine ausgeklügelte Abwehr entwickelt: das Immunsystem. Ein Teil ist jedem Menschen angeboren, ein anderer wird erst durch den Kontakt mit Feinden erworben.

Die wichtigsten Gesundheitspolizisten des Körpers sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die im Knochenmark gebildet werden. Von ihnen gibt es verschiedene Arten, die Granulo- und die Lymphozyten. Die angeborenen Abwehrtrupps erkennen Eindringlinge an bestimmten Eiweißmolekülen, den Antigenen, an deren Oberfläche. Die einfachste Vernichtung ist das Auffressen.

Die erworbene Immunabwehr (Lymphozyten) muss dagegen ihre Feinde erst kennenlernen. Die Abwehrtrupps bestehen vor allem aus den B- und T-Zellen. Für jeden neuen Angreifer bauen die B-Zellen auf den Eindringling zugeschnittene Antikörper. Wie ein Schlüssel ins Schloss passen diese in die Oberfläche des Krankheitserregers und machen ihn unschädlich.

Gedächtniszellen bewahren das Wissen auch nach der Krankheit. Kommt es zu einer neuen Infektion mit dem bekannten Erreger, kann die Abwehr schnell reagieren. Nach diesem Prinzip funktionieren auch Impfungen.

Wie kann ich mein Abwehrsystem stärken?

Dass sich Viren und Bakterien in den Körper schleichen, kann niemand verhindern. Ist die Abwehr des Körpers aber schlagkräftig, kann sie die Angreifer vernichten, bevor sie sich vermehren. Fit hält das Immunsystem vor allem eines: regelmäßiges Training. Auch Virologe Hoffmann rät daher vor allem zur Abhärtung. "Spazierengehen, auch wenn draußen scheußliches Wetter ist" - das sei eine sehr gute Vorbeugung. Auch Ausdauersport und Heiß-Kalt-Wechsel wie in der Sauna oder im Kneipp-Bad verbessern nachweislich die Abwehr.

Vermeiden sollte man dagegen alles, was den Körper stresst: Zu wenig Schlaf, ein hektischer Alltag, Alkohol und Zigaretten. Diese schwächen die Immunabwehr der Lunge erheblich.

Wichtig für das Immunsystem sind zudem Vitamine, vor allem Vitamin C sowie A und E und die Spurenelemente Zink und Selen. "Ein Mangel schwächt die Körperabwehr", sagt Hoffmann. Nicht erwiesen sei dagegen, ob die zusätzliche Einnahme das Immunsystem stärkt. Auch bei der Wirkung von immunstimulierenden Medikamenten wie Echinacea ist der Mediziner skeptisch. "Es sind nicht die Pillen, es ist der Lebensstil, der die Abwehr stärkt."

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