Mein Freund, der Roboter

- Tokio - Sie tanzen, spielen Trompete, servieren Getränke und machen sich im Haushalt nützlich. Die Rede ist von den neuen Weggefährten des Menschen: Robotern.

<P>Was manchem in Europa noch an Science-Fiction-Filme erinnern mag, erwacht in Japan bereits zur Realität. In den Entwicklungslabors der fernöstlichen High-Tech- Nation vollzieht sich eine atemberaubende Entwicklung vom Industrie- Roboter hin zu mechanisch-elektronischem Servicepersonal.</P><P>Armeen dieser Metallwesen sollen künftig nicht mehr wie ihre Vorgänger in Fabriken als Arbeitssklaven dienen, sondern im Alltag als Partner fürsorglich und tröstend zur Seite stehen, ob beim Aufräumen im Haushalt oder bei der Betreuung alter Menschen. So arbeitet der Elektronikkonzern Matsushita Electric derzeit an der Entwicklung von Robotern, die künftig unter anderem den Tisch abdecken und das Geschirr in der Spüle abwaschen können.</P><P>"Angesichts der wachsenden Zahl alter Menschen in Japan, dürfte die Nachfrage nach solchen Maschinen zunehmen", erklärt ein Sprecher von Matsushita. Einer der Prototypen des Unternehmens kann Menschen bereits schwere Sachen hinterher tragen. Die Forscher des Konzerns setzen bei ihrer Entwicklung Technologien ein, die bisher nur für Industrieroboter verwendet wurden. Ihnen schweben metallische Wesen vor, die dem Menschen in verschiedenen Lebenslagen helfen, für seine Sicherheit sorgen und sich sogar mit ihm unterhalten können.</P><P>Das alles liegt nicht mehr in weiter Ferne, sondern soll bereits im Jahr 2010 ein Reifestadium erreichen, das den praktischen Einsatz dieser Roboter erlaubt. Nach Schätzungen des Fuji Chimera Research Instituts, dürfte der Markt für so genannte Partner-Roboter einen Wert von bis zu 55 Milliarden Yen (407 Millionen Euro) haben, nach voraussichtlich rund 7 Milliarden Yen in diesem Jahr. Die Experten erwarten, dass die eigentliche Markteroberung solcher Roboter mit der Weltausstellung 2005 in Japans Provinz Aichi beginnt.</P><P>Rund 100 Roboter der nächsten Generation werden bei der Expo, die am 25. März 2005 beginnt, der Welt ihre Fähigkeiten präsentieren. Dazu zählen gute Roboterfeen, die als Babysitter aushelfen oder als "Empfangsdamen" dienen können, sprechen oder sich älteren Mitmenschen als Rollstuhl anbieten. Mit bei der Expo dabei sein wird auch ein Roboter des größten japanischen Automobilkonzerns Toyota, der aufrecht auf zwei Beinen laufen und Trompete spielen kann.</P><P>Um humanoide, also menschenähnliche Roboter "intelligenter" zu machen und sie mit einem "gesunden Verstand" auszustatten, hat ein Forschungsteam der Meiji Universität eine Datenbank mit assoziierten Begriffen und Redewendungen für die 250 000 Wörter zusammengestellt, die am häufigsten im Internet benutzt werden. Auf diese Weise sollen Roboter künftig sogar in der Lage sein, die Wirkung bestimmter Worte abzuwägen, bevor sie etwas unternehmen, wie das Wirtschaftsblatt "Nihon Keizai Shimbun" berichtet. So würden Roboter, die zur Altenpflege eingesetzt werden sollen, Themen wie das Alter oder Krankheiten vermeiden.</P><P>Auch am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) entsteht mit dem "Care-O-bot" ein universeller Haushaltshelfer. An den Roboter als vollwertigen Altenpfleger glaubt man dort nicht. Handlangungen der Maschine könnten aber älteren Menschen länger die Unabhängigkeit bewahren, meinen die Stuttgarter Forscher.</P><P>Während in Europa Roboter in Büchern und Filmen oft am Ende zur Bedrohung für die Menschen wurden, haben Roboter im Animations- und Comicland Japan genau das gegenteilige Image. Darin sehen Experten einen möglichen Grund dafür, warum die Japaner so eifrig in der Roboterentwicklung sind. "Die Metallwesen geben den Menschen Seelenfrieden und können ihre Sorgen lindern", meint der Spitzenmanager Toshitada Doi vom japanischen Elektronikriesen Sony. Er ist geistiger Vater des berühmten Roboterhündchens Aibo.</P>

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