Michelangelos geheimes Zimmer

- Ein Zettel aus den Archiven des Vatikans löst vielleicht ein Rätsel, das Experten seit Jahrhunderten beschäftigt: Wo lebte Michelangelo, während er an der Kuppel des Petersdoms arbeitete? Die kleine Notiz bringt jetzt eine neue Spur. Demnach wohnte der große Architekt und Baumeister in einem eigenen kleinen Zimmer im Petersdom.

Michelangelo hatte 1547 den Auftrag angenommen, einen neuen Entwurf für das riesige Gotteshaus auszuarbeiten. Damals war er bereits 72 Jahre alt. Der Künstler plante eine gigantische Kuppel, die über dem Altar thronen sollte ­ bis heute ist sie eines der schönsten Wahrzeichen der ewigen Stadt. Ihre Vollendung erlebte Michelangelo, der 1564 starb, allerdings nicht mehr.

Experten rätseln schon lange über der Frage, wo der Künstler in den Jahren seiner Arbeit in Rom privat lebte. "Bisher hat niemand beweisen können, dass Michelangelo innerhalb des Doms auch gewohnt hat", sagt die italienische Kunsthistorikerin Maria Christina Carlo-Stella. "Michelangelo hielt sein Privatleben gerne unter Verschluss."

Michelangelo ließ sich eine Truhe für sein Zimmer bauen

Doch ein findiger Doktorand wühlte jüngst in den Archiven des Vatikans. Der Forscher von der Universität Venedig beschäftigt sich mit dem Leben Michelangelos während der Bauzeit des Doms. Bei seinen Recherchen fand er einen kleinen Zettel aus dem Jahr 1557. Auf ihm sind Schulden aufgelistet, die der große Renaissance-Künstler bei Handwerkern hatte. Unter anderem steht dort der Name eines Schmieds, dem Michelangelo noch zehn Scudo für eine Truhe zahlen musste, "die in einem Zimmer im Petersdom steht, in das sich der Maestro zurückzieht."

Kunsthistoriker rätseln, wo sich der Raum befunden hat

Bei dem Privatraum dürfte es sich nur um ein kleines Zimmer gehandelt haben, das mit einer Wendeltreppe direkt mit der Baustelle des Doms verbunden war. Wo genau sich der Raum befunden hat, ist noch nicht geklärt. Die Kunsthistoriker vermuten aber, dass die Kammer etwa dort war, wo heute das Archiv der "Fabrica di San Pietro" ist, einer Organisation von Künstlern und Baumeistern, die sich um den Erhalt der Kirchenfassade kümmert.

Dass Michelangelo eine Rückzugsmöglichkeit in dem Gebäude gehabt haben muss, liegt für Professorin Elisabeth Kieven von der römischen Bibliotheca Hertziana der Max-Planck-Gesellschaft auf der Hand. Schließlich war Michelangelo im Jahr 1557 schon 80 Jahre alt. "Der Künstler war zwar noch unheimlich rüstig, doch eine private Räumlichkeit dürfte er auf jeden Fall in der Nähe der Baustelle gehabt haben."

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