Mietfrei für Helfer von Senioren

- Sie zahlen keine oder nur eine unschlagbar niedrige Miete, müssen dafür aber jede Woche ein paar Stunden Haus- und Gartenarbeit leisten oder für ihren Vermieter einkaufen gehen. Rund 60 Studenten im Großraum München beteiligen sich derzeit an dem sozialen Projekt "Wohnraum für Hilfe", das wir im letzten Teil unserer Serie vorstellen.

"Viele ältere Menschen leben in riesigen Wohnungen, wo ihnen die Hausarbeit zu viel wird und Wohnraum brach liegt", beschreibt Gisela Frangenheim vom Seniorentreff Neuhausen den Ansatzpunkt für das beispielhafte Modell für billigen Wohnraum zur Untermiete. Die gewohnte Umgebung zu verlassen, das weiß Frangenheim, falle den meisten Menschen im Alter schwer. Die Lösung für das Problem: Senioren überlassen ein Zimmer ihrer Wohnung zur Untermiete einem Studenten, und der revanchiert sich, indem er dem Vermieter in Alltagsdingen zur Hand geht.

Im Wintersemester 1996 hatten der Seniorentreff Neuhausen und das Studentenwerk den "Wohnraum für Hilfe" ins Leben gerufen. Unterstützt wird das Projekt von der Stadt München.

Die Idee stammt ursprünglich von der Fachhochschule Darmstadt, wo ein ähnliches Konzept schon 1991 anlief.

Für München, wo die Mietpreise hoch und Wohnraum knapp ist, erschien das Wohnmodell wie gemacht. 180 Studenten sind insgesamt bis heute vermittelt worden.

Anfangs, so berichtet Mitbegründerin Frangenheim, sei es nicht leicht gewesen, das Vertrauen der älteren Damen und Herren zu gewinnen. Die Erfahrungen seien aber durchweg positiv - für beide Seiten. "Natürlich treten da mal kleinere Probleme auf, wenn der Student zum Beispiel am liebsten sonntags die Waschmaschine laufen lässt", so Frangenheim.

Vorgespräche helfen Konflikten vorzubeugen

Um Konflikte möglichst schon vorab auszuschließen, führt der Seniorentreff mit beiden Parteien ausführliche Vorgespräche. "Dabei klären wir zunächst die Wünsche und Bedürfnisse der Senioren ab", so Frangenheim. "Wenn jemand zum Beispiel ein Mittagessen gekocht haben möchte, wird das schwierig, weil die Studenten da in der Regel in der Uni sind."

Damit die gegenseitige Unterstützung auch rechtlich auf festen Beinen steht, wird zwischen Vermieter und Student ein Untermietvertrag abgeschlossen. Darin wird festgehalten, wieviele Stunden Hilfe der Hochschüler leisten muss. Als Regel gilt eine Stunde im Monat pro Quadratmeter Wohnraum - variabel je nach Standard der Wohnung. Möglich ist aber auch eine Mischung: Der Student zahlt einen Teil der Miete und erarbeitet sich den Rest.

Für Studenten, die über "Wohnraum für Hilfe" ein Zimmer suchen, sollte aber nicht nur der finanzielle Aspekt im Vordergrund stehen, sagt Frangenheim. "Man sollte schon auch Interesse am Kontakt zu älteren Menschen haben." Wer sich darauf einlasse, könne nur profitieren: "Ich habe schon erlebt, dass durch das Projekt sehr schöne Freundschaften entstanden sind und der Kontakt auch nach Ende des Studiums weiterbesteht."

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