Ist die Mikrowelle wirklich schädlich?

- Erst schmolz ihm ein Schokoladenriegel, dann sprang Popcorn wild umher, und schließlich explodierte Eis. Merkwürdige Erfahrungen machte der Radartechniker Percy Spencer, als er 1946 mit einer Magnetfeldröhre experimentierte. Damals wusste er noch nicht, dass er die Welt verändern würde. Denn seine Beobachtung mündete in ein Patent für ein überaus sperriges Gerät. Dessen Eckdaten: 375 Kilo Gewicht, 1,75 m hoch, 1600 Watt Leistung, wassergekühlt. Baujahr: 1954. Preis: 5000 US-Dollar. Name: Radarange. Bestimmungszweck: rasche Erwärmung von Lebensmitteln und Fertiggerichten.

<P>Zugegeben: Der Ur-Mutter aller Haushaltsmikrowellengeräte hätte man nicht zugetraut, dass sie Mini-Nachkommen hervorbringt, die binnen 50 Jahren die Küchen der Welt erobern würden. Über die Hälfte aller Haushalte in der westlichen Welt sind inzwischen mit diesen Küchenhelfern ausgestattet.<BR><BR>Doch fragen sich besorgte Menschen angesichts des Streits um Handy-Strahlung und Elektro-Smog auch, ob nicht auch die Mikrowelle der Gesundheit schadet. Schließlich wurden Mikrowellen schon im Zweiten Weltkrieg von deutschen Militärs im Russlandfeldzug als Waffe eingesetzt wurde und die heute in neue Waffensysteme integriert wird, wie sie etwa die Nürnberger Rüstungsfirma Diehl entwickelt.</P><P>Natürlich kann die Leistung einer Haushaltsmikrowelle nicht mit der einer Mikrowellen-Waffe verglichen werden. Aber: Immer häufiger müssen sich deutsche Gerichte mit Fällen befassen, in denen erfinderische Zeitgenossen unliebsame Nachbarn mit umgebauten, verstärkten Mikrowellen bestrahlen, um ihrer Gesundheit zu schaden.<BR><BR>Der Effekt der Geräte beruht auf Reibungshitze. Die entsteht dadurch, dass ein elektromagnetisches Feld im schnellen Rhythmus umgepolt wird. Dadurch beginnen Moleküle und Zellen, einige Milliarden Mal pro Sekunde zu schwingen, wodurch Reibungshitze entsteht. Weil die Mikrowelle im Vergleich zur Wärmestrahlung einer Herdplatte tiefer eindringt, kann das Auftauen, Aufwärmen oder Kochen mit Mikrowellen zeitsparender sein. Eben das macht sie so beliebt. Nach Untersuchungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) tritt bei allen Geräten eine so genannte Leckstrahlung auf. Sie liegt aber nach Angaben des Amtes weit unter dem erlaubten Grenzwert von fünf Milliwatt pro Quadratzentimeter.<BR><BR>Beim Aufwärmprozess, der gegenüber dem Kochen einen anderen Zeit- und Temperaturverlauf hat, werden Lebensmittel, wenn man die Garvorschriften der Geräte beachtet, nicht in ihrem Nährwert verändert, heißt es in einer Verbraucherinformation des BfS.<BR><BR>Aufgrund ihrer Eigenheit, Wassermoleküle zu erhitzen, erhitzt sich die Nahrung beim Erwärmen ungleichmäßig. Der Grund: Das Wasser ist in der Nahrung selten gleichmäßig verteilt. Umrühren und ein umsichtiges Nacherhitzen können helfen.<BR><BR>Das Erhitzen von Nahrung dient der Abtötung von Keimen. Bei mikrobiologisch kritischen Lebensmitteln, wie frischem Geflügel und eihaltigen Speisen, ist besonders auf eine gute Durchwärmung zu achten. Im Zweifelsfall sollte man solche Gerichte eher dem Herd anvertrauen.</P><P>Haushaltsmikrowellen werden vom BfS als unbedenklich eingestuft. Auch in der Schweiz, wo niedrigere Grenzwerte einzuhalten sind, gelten die Geräte als unbedenklich.<BR><BR>Baubiologen sehen das häufig anders. Jeder Mensch habe ein individuelles biologisches "Fenster", das ihn mehr oder weniger empfindlich auf elektromagnetische Felder reagieren lässt. Eine Mikrowelle allein mache sicher nicht krank. "Keiner weiß aber, was die Summierung der elektrischen Felder im Haushalt in Kombination mit Wohnraumgiften bewirkt", gibt der Baubiologe Wolfgang Priggen aus Steinfurt zu bedenken. Seine Kritik: Stets würden nur die erwärmenden Effekte von Mikrowellen angeführt, nicht aber ihre direkte Wirkung auf Gewebe. Diskutiert werden unter Mikrowellengegnern eventuelle schädliche Auswirkungen auf Zellmembranen, Erbgut und Zellstoffwechsel. Priggen rät zu einem Sicherheitsabstand von fünf Metern zu Mikrowellen. "Auf keinen Fall", sagt er, "sollte man durch Sichtfenster schauen." Hatte doch schon in den 80-er Jahren hatte der Forscher Paul Brodeur Augenschädigungen durch Mikrowellengeräte nachgewiesen.<BR><BR>Verhaltens-Tipp: <BR>Sichtfenster und Türdichtungen sind die Schwachstellen einer Mikrowelle. Die Dichtungen bestehen aus elektrisch leitendem Kunststoff und müssen regelmäßig gereinigt werden, damit sie eine Masseverbindung haben. Sobald sich Fette an den Dichtungen absetzen, sind diese nicht mehr geerdet und die Strahlung dringt durch den Raum. Nützlich kann auch eine aufgeklebte Alufolie auf dem Sichtfenster sein. Ältere Geräte sollte man vom Fachmann warten lassen und gegebenenfalls in ein Neugerät mit TÜV-Zertifikaten investieren.<BR></P>

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