Model-Casting ohne Marilyn

Schlankheitsideal: - Marilyn Monroe würde beim Model-Casting heute durchfallen. Mit einem Body Mass Index (BMI) von 26 wäre sie zu dick. Heute liegt der angeblich perfekte BMI bei 18 und darunter. Psychologe Andreas Schnebel nennt dieses Schlankheitsideal "Superperfektionismus". Kleidergröße 32, die sogenannte Größe Null, sei für die Mehrheit der Frauen eigentlich unrealistisch, sagt Schnebel, Vorstandsvorsitzende des Bundesfachverbands für Ess-Störungen.

Trotzdem hungern sich normal Gewichtige mit weiblichen Rundungen zu überschlanken Kindfrauen herunter. "Nimmt man ab, erntet man Bewunderung -bis es kippt", sagt Psychologin Eva Wunderer. Doch zunächst fühle man sich attraktiver. Das Ideal der dünnen Kindfrau wurde in der Modewelt in den 1960er-Jahren mit Twiggy populär.

Eine Attraktion waren sehr dünne Menschen schon immer. Auf Jahrmärkten wurden Hungerkünstler ausgestellt. Sie aßen aus religiösen Gründen oder als Akt der Selbstbestrafung nichts mehr. Medizinische Schriften aus dem 17. Jahrhundert berichten von Menschen, die aus seelischen Problemen die Nahrung verweigern. "Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man zur Magersucht klinische Definitionen zu liefern", erklärt Wunderer.

Neu sei, dass heute der Körperumfang das Fasten motiviere. Neue Magazine für den Mann könnten erklären, warum auch immer mehr Männer essgestört sind. "Der perfekte Mann des Titelblatts sieht nicht mehr nur durchtrainiert aus, sondern eher androgyn", sagt Schnebel. Kritisch beobachtet der Psychologe überdies, dass schon Jugendliche ihre "Problemzonen" verändern wollen.

Zusätzlich zu einer Diät suchen sie einen plastischen Chirurgen auf. "Die Schönheits-OP ist gesellschaftsfähig geworden", sagt Schnebel. Leider gaukle man den Menschen vor, dass sie mit ihren Körpern alles machen können.

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