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Dass bei IKEA mal Kinder kurzzeitig verloren gehen, kann durchaus passieren - alles andere ist eine "Urban Legend".

Moderne Mythen: Leichenporsche & Nigeria-Geld

Verschwinden Kinder bei IKEA und tauchen kahl wieder auf?

München - "Urband Legends", "Großstadt- oder Wandermärchen": Es gibt sie noch, die niemals totzukriegenden modernen Märchen. Erfahren Sie, was hinter dem legendären "Leichenporsche" steckt oder ob "Kinder bei Ikea verschwinden".

Selbsterfahrung: Der billige Porsche

"Hast du Interesse an einem 911er", fragte mich mein Nachbar eines Tages. Interesse hatte ich schon, nur an dem nötigen Kleingeld fehlte es. Es fehlte reichlich! Ausbildung, erste Bude und dann ein Porsche? Schöner Witz. "Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass du dir den nicht leisten kannst. Mein Bekannter will nur ganz sicher sein, dass du ihn nimmst", beschwor mich mein Nachbar. "Und warum nimmst du ihn nicht?" - "Für mich ist das nichts, also willst du?" Irgendwie schien eher er unbedingt zu wollen und zwar, dass ich "ja" sage. Also sagte ich: "Ja, aber was kostet das Ding?" Er freute sich sichtbar und antwortete: "Nur 500 Kröten! Erst zwei Jahre alt!" - "Nee, is klar. Als Würfel vom Schrotthändler ..." Nein, das ist es ja gerade. Der ist wie neu. Du musst nur den Leichengeruch rauskriegen." - "Leichengeruch?" Nun grinste er über beide Ohren: "Da hat sich ein Liebespaar drin umgebracht. Die Karre stand irgendwo im Wald und wurde erst einige Monate später gefunden. Der Leichensaft ist in die Sitze und in den Dachhimmel und die Bodenteppiche eingezogen. Das kriegst du nie wieder raus ..." Als ich den Wagen trotzdem haben wollte, war die Quelle plötzlich nicht mehr verifizierbar. Wen wundert's? 

Der Porsche ist nur eines von vielen modernen Märchen, die sich über Jahrzehnte halten und sich höchstens in Nuancen ändern. Klar, dass sich da auch der Begriff ändert: "Urban Legends", auf deutsch "Wandermärchen". Eine weitere Variante sind die sogenannten "Charity Hoaxes" - frei übersetzt als Tränendrüsenbriefe. Sehr gern auf Facebook geteilt:

Baby braucht deine Hilfe

"Wer dies löscht hat kein Herz. Hallo, mein Name ist Krita Marie und ich habe vor Kurzem eine kleine Tochter erhalten, die Natalie heißt. Vor Kurzem haben die Ärzte festgestellt, dass meine kleine Natalie Hirnkrebs hat. Unglücklicherweise ist es meinem Mann und mir nicht möglich diese Operation zu bezahlen, aber mein Ehemann und ich haben von AOL Hilfe bekommen. Sie helfen uns indem Sie uns 5 Cent geben, für jede Person die dieses E-Mail bekommt. Bitte sende diese Mail an jede Person, die du kennst und hilf unserer kleinen Natalie."

Klingt herzzerreißend, ist aber ein Tränendrüsenbrief, der - immer wieder angepasst - bereits seit 2004 im Umlauf ist - bis heute. Teilen Sie solche Nachrichten nicht, sie sind nicht wahr. Niemand wird wegen des Weiterleitens einer Mail auch nur einen Cent zahlen. (Quelle: hoax.info)

Kind verschwindet bei IKEA

Eine Mutter streift mit ihrem fünfjährigen Sohn durch die Kinderabteilung des schwedischen Möbelhauses Ikea. Er ist nicht im Kinderparadies, sondern geht mit der Mutter zusammen. Doch dann passiert das Seltsame: Als sie einen Mitarbeiter um eine Auskunft bittet, lässt sie den Jungen kurz aus den Augen. Plötzlich ist er weg! Panik bei der Mutter, Aufregung bei den anderen Kunden. Der Geschäftsführer lässt alle Ausgänge absperren, die Angestellten durchkämmen die Verkaufsräume und die Toiletten. 15 Minuten später wird das Kind entdeckt. Es kauert verstört und mit teilweise abrasierten Haaren auf einem Klodeckel, hat einen anderen Anorak an und ist offenbar unter Drogen gesetzt worden ... 

Eine modernes aber doch klassisches Großstadtmärchen. Spielt es doch mit den Urängsten von Eltern, das eigene Kind zu verlieren, dem Kontrollverlust. Dazu noch ein wenig Science-Fiction, fertig ist die "Urban Legend". (Quelle: Lexikon der Großstadtmythen). Und: Natürlich ist die Geschichte frei erfunden.

Das Erbe aus Nigeria

Von: Paul Kunert, Werter Herr, Streng vertraulich

Mit Freude schreibe ich Ihnen diesen Brief, auch wenn er für Sie unerwartet kommen mag. Mein Name ist Paul Kunert. Ich bin Manager einer Bank in Europa. Ich wende mich mit diesem Brief an Sie mit der Bitte um Hilfe.

Im Rahmen meiner Tätigkeit bin ich auf ein Bankkonto gestoßen, das seit einigen Jahren nicht aktiv ist. Vorsichtige Nachforschungen haben ergeben, dass der Kontoinhaber vor fünf Jahren verstorben ist. Alle Versuche, einen rechtmäßigen Empfänger der Einlagen ausfindig zu machen, waren ergebnislos. Bevor das Geld dem Staat in die Hände fällt, möchte ich Sie fragen, ob Sie nicht bereit wären, als Verwandter des Verstorbenen aufzutreten? Ich freue mich, bald von Ihnen zu hören.

Herzlichst Ihr Paul Kunert

(Quelle: viruslist.com)

Es gibt wohl kaum einen Menschen auf der Welt, der nicht mindestens ein Mal eine Mail von der sogenannten "Nigeria Connection" erhalten hat. Bereits seit den späten 1990er-Jahren aktiv, sind sie einfach nicht zum Schweigen zu bringen. Offenbar gibt es auch heute noch genug Opfer die, bevor sie das vermeintliche Erbe antreten dürfen, zunächst eine stattliche Summe an "Bearbeitungsgebühren" vorab überweisen. Wäre ja auch zu schade um die Millionen. Fakt bleibt jedoch, dass es sich hierbei um Mails mit kriminellen Absichten handelt. Ein Märchen mit möglicherweise bösen Folgen also. 

Sperma in der Knoblauchsoße

Ein junger Mann (der Freund eines Freundes) und seine Freundin litten beide plötzlich an einem ekelerregenden Hautausschlag um den Mund herum. Die Untersuchung eines Arztes ergab, dass es sich dabei um eine allergische Reaktion auf Spermien handelte. Beide betonten jedoch dass sie niemals Oralsex gehabt hätten. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, dass das Döner eines bestimmten Kebabstands verantwortlich sei. Das Gesundheitsamt wurde alarmiert, und als die Beamten den Dönerladen betraten, erwischten sie den Inhaber gerade dabei, wie dieser seine Joghurtsauce mit seiner geheimen intimen Zutat verfeinerte ... 

Ob Döner oder Pizza, es gibt keinen noch so kleinen Ort, wo man einem Imbissbesitzer nicht eine kleine Urban Legend andichten könnte. Das ist dann kein Großstadtmärchen mehr, sondern nur ein Trauerspiel. 

Andrew Weber

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