Moore als Fenster in die Vergangenheit

- Wann hat der erste Ackerbau in Oberbayern stattgefunden? Was bauten die Menschen damals an und von was ernährten sie sich? Welche Pflanzen besiedelten nach der letzten Eiszeit das Alpenvorland? Das alles sind Fragen, mit denen sich Michael Peters mit seiner Arbeitsgruppe "Vegetationsgeschichte" am Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) beschäftigt.

Dazu fährt Peters mit seinen Studenten regelmäßig in die bayerischen Moore, um dort Torfkerne zu stechen. Bis zu neun Meter lang und etwa zehn Zentimeter dick sind die Torfproben, die Peters' Team in seinen Münchner Labors im Historicum der LMU untersucht. "Aus dem Torfkern schneiden wir einzelne Scheiben, die untersten sind die ältesten", erklärt Peters. "Anschließend isolieren wir aus den Proben die Pollenkörner oder auch verkohlte Getreidekörner und können so erforschen, welche Pflanzen zu welcher Zeit an dem Ort gelebt haben und was die Menschen in den dortigen prähistorischen Siedlungen angebaut haben, um sich zu ernähren."<BR><BR>Peters untersucht Proben aus dem Murnauer Moos, aber auch Moore im Allgäu oder im Inntal werden von seinem Team unter die Lupe genommen. Im Murnauer Moos können die Münchner Paläobotaniker Daten über die pflanzliche Besiedelungsgeschichte Oberbayerns erhalten, die bis zum Ende der letzten Eiszeit, vor 12 000 Jahren zurückreicht. "Damit ist es für uns ein hervorragendes Fenster in die Vergangenheit, sagt der Geowissenschaftler. <BR><BR>"Bei unserem Projekt in Murnau haben wir auch herausgefunden, dass die ersten ackerbaulichen Tätigkeiten in dem Gebiet etwa um 4500 vor Christus stattgefunden haben", erklärt er. Dass Menschen so früh in diesem Gebiet gesiedelt haben, ist für Archäologen nur schwer nachzuweisen. Nur wenige Funde vor allem von der Roseninsel am Starnberger See deuten auf diese frühen menschlichen Tätigkeiten hin.<BR><BR>"Mit unseren Studien können wir so den Archäologen Daten liefen über frühe Kulturen, für die sie selber noch keine oder nur seltene Hinweise in Form von Fundstücken entdeckt haben."<BR><BR>Peters ist an der LMU der einzige Wissenschaftler, der in der Paläobotanik tätig ist. "Ich arbeite in einem Orchideenfach", gibt er zu. "Wenn man sich mit der Paläobotanik beschäftigen will, so muss man im Grundstudium Biologie belegen, im Hauptstudium kann man dann seinen Schwerpunkt auf die botanische Quartärforschung setzen."<BR><BR>Zur Zeit ist Peters mit seinen Studenten im Allgäu tätig - an einem Moor, das bald von einer Autobahn überbaut werden soll. <BR><BR>"Vorher wollen wir aber noch so viele paläobotanische Daten wie möglich über das Gebiet sammeln", kündigt Peters an.

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